Stressprävention lohnt sich doppelt
Mitarbeiter, die mit Stress zu kämpfen haben, sind deutlich weniger produktiv. Für Unternehmen entstehen so jährlich Verluste in Milliardenhöhe. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zahlt sich Prävention deshalb doppelt aus.
Zu viel Stress am Arbeitsplatz kann Volkswirtschaften und Unternehmen teuer kommen. Gestresste Arbeitnehmer sind weniger produktiv und öfter krank als ausgeglichene Mitarbeiter. Doch mit den richtigen Vorsorgemaßnahmen lassen sich Leistungstiefs vermeiden und Verluste begrenzen. Das geht aus einer Studie der University of Concordia in Montreal hervor.
Vor allem stressbedingte Krankheiten, so stellten die Forscher in Kanada fest, haben in der Vergangenheit die Gesundheitsausgaben in die Höhe getrieben. Im Jahr 1980 lagen diese durchschnittlich noch bei sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), bis zum Jahr 2007 stieg der Wert auf über zehn Prozent. „Stress nimmt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu, damit ist Prävention noch wichtiger als in entspannteren Zeiten“, sagt Simone Grebner, Professorin am Institut „Mensch in komplexen Systemen“ an der Fachhochschule Nordwestschweiz.
Deutsche arbeiten länger
Auch für Deutschland ist die Untersuchung von Bedeutung. Nach einer aktuellen Auswertung des sogenannten Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes, ist die durchschnittliche Arbeitszeit in der Bundesrepublik wieder auf dem hohen Vorkrisenniveau angekommen. Nach einem Rückgang im Jahr 2009 (39,5 Stunden) liegt sie heute wieder bei 41 Stunden, was auch die Belastung der Beschäftigten erhöht.
Laut Studie sind durch den zunehmenden Stress die Arztbesuche kanadischer Arbeitnehmer um 26 Prozent gestiegen. 70 Prozent der Beschäftigten machten in erster Linie ihren Job für Stressprobleme verantwortlich. Allein bei US-Unternehmen beläuft sich der geschätzte, durch Stress verursachte Schaden auf 86 Milliarden US-Dollar (rund 47 Milliarden Euro) im Jahr.
Das Management ist gefragt
Unternehmen sollten sich daher Strategien überlegen, wie sie Stress am Arbeitsplatz verringern können. Adäquates Management kann die Produktivität der Arbeitnehmer steigern, die Zahl der Arbeitstage erhöhen und die Mitarbeiterfluktuationen begrenzen. „Unternehmen können zunächst feststellen, wie die Arbeitsbedingungen beschaffen sind und wie es um das Befinden sowie die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden steht. Das ermöglicht zu sehen, welche Aspekte der Arbeitsbedingungen vergleichsweise günstig ausgeprägt sind und wo Handlungsbedarf besteht“, sagt Grebner.
Der Arbeitsstress könne mit vielseitigen Maßnahmen bekämpft werden, so die Wissenschaftlerin. „Bei geringfügigeren Problemen können sogenannte Gesundheitszirkel helfen: Diese Zirkel sind moderierte, temporär bestehende Gruppen aus freiwilligen Mitarbeitern, die in der bezahlten Arbeitszeit Vorschläge zur Problembehebung ausarbeiten, welche dem Management unterbreitet werden“, sagt die Wissenschaftlerin.
Bei schwerwiegenderen Problemen müsse das Management Entscheidungen so treffen, dass Strukturen, Prozesse und Strategien nicht im Widerspruch zu Gesundheitszielen für die Mitarbeiter stünden. Dies erfordere langfristiges Planen, gelegentliches Umdenken und Investitionen.
Laut Grebner ist aber auch die Politik gefordert: „Sie sollte angemessene Regelungen des betrieblichen Gesundheitsschutzes gesetzlich verankern und für ausreichend Ressourcen sorgen, damit die Einhaltung des Gesundheitsschutzes laufend überprüft wird.“ pte/SZ
Externe Links
Mehr Informationen zur Studie (Englisch)
Fachhochschule Nordwestschweiz


