Social Media-Nutzung schadet der Produktivität

soziale netzwerke
Soziale Netzwerke lenken Angestellte allzuleicht von der Arbeit ab. (RobertKneschke@fotolia.de)

Viele Unternehmen stehen dem Hype um soziale Netzwerke skeptisch gegenüber. Offenbar zu Recht, wie Marktforscher jetzt herausgefunden haben: Die digitale Kommunikation kostet täglich viel Arbeitszeit und die Unternehmen viel Geld.

Wie der aktuelle Social-Media-Report der Software Initiative Deutschland e.V. offenbart, betrachten 77 Prozent der Fach- und Führungskräfte die sozialen Netzwerke im Internet als geschäftsrelevant. Gleichzeitig halten aber die meisten Unternehmen an internen Zugriffsperren und Restriktionen fest, damit sich Angestellte nicht während der Arbeitszeit etwa auf Facebook tummeln.

Wie Marktforscher von United Sample im Auftrag des US-amerikanischen Social-Mail-Dienstes harmon.ie nun festgestellt haben, kostet der Gebrauch der Netzwerke tatsächlich Produktivität, anstatt welche zu einzubringen. Für viele Unternehmen bedeutet dies einen signifikanten Verlust von Arbeitszeit und in der Folge von barem Geld.

Nur 15 Minuten Arbeit ohne Pause

Fast jeder zweite Mitarbeiter schafft es gerade einmal 15 Minuten lang kontinuierlich zu arbeiten, bevor er durch Statusmeldungen, Chateinladungen u.ä. unterbrochen oder abgelenkt wird. Mehr als die Hälfte der Angestellten verliert so täglich mindestens eine Stunde an Arbeitszeit. Bei einem Stundenlohn von 30 Dollar beziffern die Marktforscher den daraus entstehenden Schaden auf über 10.000 Dollar jährlich. Bei großen Unternehmen mit mehreren Tausend Beschäftigten erreichen die so verursachten Produktivitätsminderungen schnell einen Stellenwert in Millionenhöhe.

Obwohl die neuen Technologien zumindest auch dazu benutzt werden, um in Arbeitsprozessen wertvolle Zeit zu sparen, ist also oft das Gegenteil der Fall. Um Zusammenarbeit und Produktivität zu verbessern, werden die Online-Tools oft auch intern eingesetzt. Harmon.ie zufolge ist das eine riskante Strategie und kann möglicherweise das genaue Gegenteil bewirken: Mitarbeiter, die sich in sozialen Netzwerken herumtreiben, machen dies oft aus persönlichen und nicht aus geschäftlichen Gründen.

Produktivitätsbremsen weit verbreitet

Die Social-Media-Dienste sind aber keineswegs die einzigen Leistungsblocker. Auch die Kommunikationsmittel E-Mail, SMS und Instant Messaging schlucken wertvolle Arbeitsstunden (siehe Meldung). Sie sorgen der Untersuchung nach für fast 60 Prozent der Arbeitsunterbrechungen, etwa in Form erfolgloser Suchen nach bestimmten Nachrichten. Anders als Telefonate oder Face-to-Face-Gespräche sind sie so der häufigste Grund für Ablenkungen.

Nutzen für Unternehmen ungewiss

Neben dem möglichen Schaden, der durch den Verlust von Arbeitszeit droht, ist die positive Präsentationswirkung für Unternehmen bei den Netz-Diensten durchaus fraglich. Zum großen Problem der sozialen Medien gehört nämlich auch, dass die Kapitalrendite (Return on Investment) nach wie vor nicht sicher ist. „Außerdem können die Dienste nicht einfach implementiert werden, Unternehmen benötigen immer individuelle Maßanpassungen“, sagt Omri Bergman, Social-Media-Experte bei der Unternehmensberatung Capgemini. Sollte sich etwa der Firmenauftritt bei Facebook zudem als Flopp erweisen, kann die eigene Marke langfristig Schaden nehmen.

Wie eine Untersuchung von Forrester Research gezeigt hat, ist gerade die kaufkräftige Zielgruppe der Teenager für Unternehmen auf dem virtuellen Weg besonders schwer zu erreichen. Bei Facebook etwa suchen gerade einmal sechs Prozent der zwölf bis 17-jährigen US-Web-Nutzer die digitale Nähe zu ihren Lieblingsmarken. Bei Verbrauchern zwischen 18 und 24 Jahren, ist der Wert immerhin schon doppelt so hoch. pte/ SZ

Externe Links:

Social Media Report 2010/2011

Homepage von harmon.ie





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