Twitter-Nachrichten sagen Börsenkurs voraus

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Kreativität kann man nun messen - und deshalb gezielt fördern. (MikhailMishchenko@Fotolia.de)

Eine britische Investmentfirma benutzt den Online-Nachrichtendienst Twitter, um Aktienkurse vorherzusagen und so einen Hedge-Fonds zu steuern. Tatsächlich lassen sich aus den Texten der Nutzer künftige Trends ableiten.

In Deutschland nutzen mittlerweile mehr als die Hälfte aller Unternehmen die zahlreichen Social-Media-Dienste im Internet. Die britische Investmentgesellschaft Derwent Capital Markets (DCM) geht aber noch einen Schritt weiter: Sie nutzt soziale Dienste, um heute zu wissen, was morgen an den Börsen passiert. Eigenen Angaben zufolge hat DCM den ersten Hedge-Fonds Europas auf Basis des Mikro-Blogging-Dienstes Twitter entwickelt.

Auf dem weltweit beliebten Online-Portal können sich die Nutzer in knappen Textnachrichten der Öffentlichkeit mitteilen - und geben dabei gleichzeitig Einblick in ihren aktuellen Gemütszustand (siehe auch News zur Rechtslage). Durch Beobachtung und Analyse der Botschaften lassen sich Stimmungs-Tendenzen ablesen, die sich wenige Tage später tatsächlich auf dem Aktienmarkt widerspiegeln.

„Die vierte Dimension des Aktienhandels“

„Ein Großteil der Investoren hat seit Jahren akzeptiert, dass die Finanzmärkte von Angst und Gier getrieben werden. Noch niemals zuvor haben wir allerdings die Technologie bzw. die Daten zur Verfügung gehabt, die es uns erlauben, menschliche Gefühle zu quantifizieren“, erklärt der verantwortliche Fonds-Manager Paul Hawtin. Durch die Echtzeit-Analyse von Twitter-Meldungen solle ein möglichst umfassendes Bild der aktuellen Stimmungslage auf den Finanzmärkten entstehen. „Das ist die vierte Dimension des Aktienhandels“, sagt Hawtin.

„Social Media verändert nicht nur die Art, wie wir leben, sondern auch, wie wir investieren“, stellt Fonds-Partner Dale Gabbert von der Rechtsanwaltskanzlei Reed Smith LLP fest. Dass sich in diesem Zusammenhang tatsächlich ein neuer Trend abzuzeichnen scheint, beweist das Beispiel der an der Technischen Universität München (TUM) entwickelten Web-Plattform „TweetTrader“. Auch hier werden auf Basis von Twitter-Meldungen Prognosen zu bestimmten Aktienpapieren im Index S&P 500 entwickelt.

Bis zu 15 Prozent Rendite

„Die Twitter-Analyse ist eine vielversprechende Quelle, wenn es darum geht, sich ein möglichst umfassendes Bild über die Stimmungslage zu verschaffen“, glaubt TUM-Wirtschaftswissenschaftler Timm Sprenger. Eine hundertprozentige Genauigkeit könne es bei Aktien-Prognosen zwar nicht geben. „Die Backtests von TweetTrader haben aber gute Ergebnisse geliefert“, sagt Sprenger. Im ersten Halbjahr 2010 hätten Spekulanten anhand entsprechender Vorhersagen eine durchschnittliche Rendite von bis zu 15 Prozent erzielt.

Prognosen stimmen zu 90 Prozent

Rund 100.000 Twitter-Meldungen gehen durchschnittlich pro Tag auf der Internetplattform ein. Die relevanten Informationen müssen aus der Flut der Textbrocken aber zunächst einmal herausgefiltert werden. Der neuartige Hedge Fonds verwendet dazu ein spezielles System zur Stimmungsanalyse. Dieses wurde ursprünglich schon im vergangenen Jahr von Johan Bollen, einem Computerwissenschaftler an der Indiana University in Bloomington vorgestellt.

Dort ging man zunächst davon aus, dass die Stimmung der Twitter-Gemeinde von den Börsenkursen abhängt. Bei der Auswertung von knapp zehn Millionen Botschaften von rund 2,7 Millionen Nutzern zeigte sich aber das genaue Gegenteil: Mit fast 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit ließ sich so der Dow Jones-Index prognostizieren. Hatte das System einen erhöhten Angst-Level in den Botschaften der Nutzer gemessen, verstärkte sich binnen weniger Tage auch die Abwärtstendenz des Börsen-Index. Derwent Capital Markets hat in sein Twitter-Barometer offenbar Vertrauen: Der Hedge-Fonds beläuft sich auf mehr als 28 Millionen Euro. pte/SZ

Externe Links:

Homepage der Investmentgesellschaft Derwent Capital Markets

Homepage von Reed Smith LLP





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