Individueller Kreativitäts-Check für Mitarbeiter
Arbeitswissenschaftler haben ein System entwickelt, mit dem Unternehmen die Kreativität und Innovationskraft jedes Mitarbeiters individuell testen können. Durch einfaches Fragen sollen so etwa Fehlentwicklungen rechtzeitig vorgebeugt werden können.
Wenn man wissen will, wie es um die Kreativität der eigenen Belegschaft bestellt ist, dann hilft es manchmal, einfach zu fragen. Zum Beispiel: „Wie oft haben Sie in den letzten sieben Tagen ein inspirierendes Gespräch geführt?“ Der Prototyp des sogenannten Kreativbarometers stellt genau solche Fragen. Beispielsweise morgens beim Hochfahren des Rechners, wenn die Zielperson also in Ruhe antworten kann.
Arbeitswissenschaftler der Universität Bochum haben das System in Zusammenarbeit mit dem Kölner Institut für Angewandte Kreativität (IAK) entwickelt und nun in Betrieb genommen. Mit mehr oder weniger direkten Fragen wird so das Kreativitätspotential von Mitarbeitern auf jeder Hierarchiestufe abgeklopft. Verschlechtert es sich, kann man eingreifen.
An dem Projekt, das vom NRW-Arbeitsministerium und dem Europäischen Sozialfonds zunächst für zwei Jahre gefördert wird, sind derzeit zehn Test-Unternehmen beteiligt.
Individuelle Fragen zu Beruf und Freizeit
Die Fragen, die Aufschluss über das kreative Klima des Unternehmens geben sollen, werden in Workshops von einer unternehmensinternen Projektgruppe gemeinsam mit den Wissenschaftlern entwickelt. Sie sind maßgeschneidert für die Rolle und Aufgabe eines jeden Mitarbeiters im Unternehmen.
Ob Chef, Fachkraft oder einfacher Angestellter - jeder bekommt seine individuellen Fragen zugeteilt. Diese beziehen sich aber nicht ausschließlich auf das Arbeitsumfeld, sondern ganz bewusst auch auf die Freizeit. Im obigen Beispiel geht es dann also darum, herauszufinden, wie viele inspirierende Gespräche in der vergangenen Woche insgesamt stattgefunden haben - ob zu Hause oder im Büro.
Das Privatleben wird gezielt mit einbezogen, denn: „Wenn einem in der Freizeit nichts Gutes mehr einfällt oder von anderen erfragt wird, dann ist das schon ein Warnzeichen. Vielleicht sogar für einen Burn-out“, warnt Peter Weil vom Institut für Angewandte Kreativität in Köln.
Kreativitäts-Check per Smartphone
Werden die beiläufigen Kurzbefragungen regelmäßig erhoben, ergibt sich ein klares Bild des Kreativitätsklimas im Betrieb. Die Abfrage geschieht meist über den Arbeitsrechner, an einer mobilen Lösung wird aber bereits gearbeitet. Mitarbeiter, die viel unterwegs sind, sollen ihren Kreativitäts-Check so etwa über ihr Smartphone absolvieren können.
„Das Kreativitätsbarometer zeigt an, wie weitgehend es Arbeits- und Lebensbedingungen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglichen, kreativ zu sein, ob ihre Kreativität gefördert und anerkannt wird oder ob Kreativität in den Augen der Belegschaft erfolgsentscheidend für das Unternehmen ist“, sagt Angela Carell, vom Institut für Arbeitswissenschaft der Ruhr Universität Bochum.
Ergebnisse als Klimakarte
Die Ergebnisse der Befragung werden in Form einer Klimakarte angezeigt. Das kontinuierliche Überwachen des Unternehmensklimas macht es möglich, kritische Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Wenn die Werte das einmal erreichte Niveau deutlich unterschreiten, werden ein interner Kommunikationsprozess angestoßen und geeignete Maßnahmen ausgelöst. Arbeitsaufgaben können dann interessanter gestaltet, Zeitdruck abgebaut oder neue Anregungen angeboten werden.
Diese Maßnahmen werden dann zusammen mit ihrer Wirksamkeit festgehalten und auf einer frei zugänglichen Internetseite hinterlegt. Nach und nach entsteht so ein öffentlicher Wissensspeicher über erfolgreiche Interventionsmaßnahmen. SZ
Externe Links:
Institut für Institut für Arbeitswissenschaft der Universität Bochum


