Mobile Payment kann sich nicht durchsetzten
Wie praktisch und sicher mobile Bezahlsysteme auch sind, sie werden von deutschen Verbrauchern einfach nicht angenommen. Besonders bei größeren Geldbeträgen herrscht Skepsis - es fehlt das Vertrauen in die Datensicherheit bei Transaktionen via Handy oder Smartphone.
Die Konsumenten in Deutschland wollen sich mit mobilen Bezahlsystemen nicht so recht anfreunden. Zwar findet die neue und an sich recht bequeme Technik vereinzelt Anhänger - der Großteil bleibt jedoch skeptisch, wie die Marktforscher bei YouGovPsychonomics herausgefunden haben.
Das liegt vorwiegend an der Angst um sensible Daten. „Die Sorge um Datensicherheit ist stark ausgeprägt. Sie ist viel höher als etwa beim Online-Banking“, sagt YouGov-Experte Sven Hiesinger. Bei den Anbietern besteht also Erklärungsbedarf; sie müssen Vertrauen in ihre Sicherheitsarchitektur schaffen.
Selbst Technik-Affine sind kritisch
Weniger als ein Viertel der Bundesbürger sind aktuell zur Verwendung von Mobile-Payment-Lösungen bereit. Auch die traditionell Technik-affinen jüngeren User, die sich gerne auf neue Technologien stürzen, sind nicht überzeugt. Mehr als die Hälfte der Deutschen will vom Geldtransfer via Handy und Smartphone nichts wissen. Dabei sind sich die meisten über die Vorteile der mobilen Bezahlmöglichkeit im Klaren. Eigenen Angaben zufolge werden die meisten Nutzer aber auch in Zukunft skeptisch bleiben, egal wie sich die Technik weiter entwickelt.
„Die Sorge ist womöglich darin begründet, dass die Dienste noch nicht etabliert sind“, meint Hiesinger. Dabei hat dem Fachmann zufolge gerade Mobile Banking durchaus Zukunftspotenzial, es sei „eine gute Ergänzung, um sich von Wettbewerbern abzugrenzen“, so Hiesinger. Solche Dienste können sich aber erst durchsetzen, wenn Nutzen und Mehrwert für die User offensichtlich werden. Um Vertrauen zu schaffen, müssten die Anbieter zudem für ihre Systeme bürgen, erklärt Hiesinger. Erfolg oder Misserfolg werden in Zukunft wohl davon abhängen, ob die Hersteller nachhaltiges Vertrauen in ihre Dienste wecken können.
Deutsche zufrieden mit EC-System
Mit der EC-Karte gibt es in Deutschland zudem bereits ein System für bargeldloses Bezahlen, das sich durchgesetzt hat und sehr einfach zu bedienen ist. Dass macht es dem mobile Payment zusätzlich schwer, sich auf dem Markt zu etablieren, so der Experte. Egal wie ausgefeilt die Sicherheitstechnik noch wird.
Handy-Parken wird angenommen
Auf größere Akzeptanz stößt das „Handy-Parken“. Bei mehreren überregionalen Anbietern in Deutschland kann man Parkscheine für das Auto per Mobiltelefon beziehen. Das Prinzip ist denkbar simpel: Nach einmaliger Registrierung sendet das Parkunternehmen dem Kunden eine Vignette zu, die innen an der Windschutzscheibe befestigt wird. Politessen können anschließend über den Code auf der Vignette die Gültigkeit des Parkvorgangs kontrollieren.
Beim Parken liest der Nutzer dann zunächst den Park-Code des Anbieters vom nächsten Parkscheinautomaten ab und übermittelt ihn via Hotline. Kehrt der Nutzer zu seinem Auto zurück, beendet er den Parkvorgang per Anruf, soweit keine feste Endzeit festgelegt ist.
„Near Field Communication“ kommt
Eine ganz neue Technik, die bisher nur in Asien vereinzelt zum Einsatz kommt, ist das mobile Bezahlen via Near Field Communication (NFC). Quasi im Vorbeigehen fragen entsprechend ausgerüstete Handys ein Terminal ab, indem ein NFC-Chip verbaut ist. Einsatzmöglichkeiten reichen dabei vom Supermarkt über den Kinobesuch bis zum Flughafen.
Das mag heute noch nach Zukunftsmusik klingen, hat aber gewaltiges Potential. Eine aktuelle Studie von Juniper Research sagt den NFC-Handys für das Jahr 2013 eine Transaktions-Kapazität von 75 Milliarden US-Dollar weltweit voraus. pte/ SZ


