Bürolärm: Bessere Raumakustik soll Produktivität steigern
Telefone klingeln, Mitarbeiter unterhalten sich lautstark, Tastaturen klappern, Kopierer und Drucker lärmen: Störgeräusche im Büro sind nervig, allgegenwärtig und schlecht für die Konzentration. Mit neuen Konzepten wollen Hörexperten den Lärm reduzieren und die Arbeitsleistung steigern.
17 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland im Büro - das ist mehr als jeder zweite Erwerbstätige. Der Trend geht dabei klar zum Großraumbüro. Doch gerade dort empfinden Angestellte Lärm als den größten Missstand.
Wie negativ sich Störgeräusche tatsächlich auf die Leistungsfähigkeit auswirken, das beschäftigt die Hörexperten aus dem deutschen Forschungs- und Entwicklungsverbund Auditory Valley. Hörforscher, Akustiker, Absorber- und Möbelhersteller sowie Architekten wollen Wege finden, wie sich die Arbeitsleistung durch bessere Raumakustik dauerhaft steigern lässt.
Sprache stört am meisten
Die Störquelle Nummer eins war schnell ausgemacht: Es ist die menschliche Sprache. Wer im Hintergrund geführte Gespräche gezwungenermaßen mithört, für den hat das besonders negative Auswirkungen auf seine kognitiven Fähigkeiten.„Dies liegt vor allem daran, dass wir Menschen nun einmal sehr kommunikativ veranlagt sind: Wir reden nicht nur gern und viel, sondern unsere Ohren 'spitzen' sich automatisch, sobald wir in unserem Umkreis Sprache wahrnehmen. Und je deutlicher diese zu vernehmen ist, desto stärker konzentrieren wir uns darauf“, erklärt Dr. Markus Meis, der am Hörzentrum Oldenburg im Bereich Raum- und Psychoakustik forscht.
Der Ablenkung durch quasselnde Kollegen kann man also trotz aller Mühen nur schwer widerstehen. Dabei ist es weniger die Lautstärke der Gespräche, als viel mehr der damit einhergehende Informationsgehalt, der ablenkt. Das menschliche Gehirn muss diese Geräusche quasi verarbeiten - ob es will oder nicht.
Neben Gesprächen sabotieren vor allem Telefone, Drucker, Tastaturen und die mangelnde akustische Privatsphäre die Arbeitsprozesse. Das kann auch die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich senken.
Zeitverlust wegen Lärm
Arbeitgeber sollten diese Problematik keinesfalls unterschätzen. Das derart belastete Arbeitsklima führt nach einer Einschätzung von befragten Büroarbeitern täglich zu einer zeitlichen Leistungseinbuße von durchschnittlich bis zu 34 Minuten. „Rechnet man das einmal pro Mitarbeiter aufs Jahr hoch, so lohnen sich Investitionen für eine bessere Raumakustik auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten in jedem Fall“, sagt Meis.
Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten um die Einflüsse von Bürolärm zu reduzieren. Allein durch ihr Verhalten können Mitarbeiter schon einen bedeutenden Anteil leisten. „Mitarbeiter sollten darauf achten, dass sie Kollegengespräche oder Telefonate möglichst leise führen oder sich in akustisch abgeschirmte Räume begeben“, empfiehlt Meis. Darüber hinaus sollten Handys als notorische Nerver im Büro immer lautlos gestellt werden. Trotz der zahllosen Lärmquellen ist es aber letztlich die Raumakustik von Büros, die optiniert werden muss, um die Störgeräusche in den Griff zu bekommen.So sollen Schallabsorber in Decken, Wänden und Fußböden ebenso eingearbeitet werden können wie in Schränken und sogar Leuchten.
Leiser nicht automatisch besser
Zu großem Eifer macht die menschliche Wahrnehmung aber einen Strich durch die Rechnung. Übertreibt man es nämlich mit der Schallabsorption, so wird Sprache zwar leiser, aber aufgrund des geringen Nachhalls auch klarer verständlich. „Damit steigt wiederum der Informationsgehalt - und dadurch auch die Ablenkung“, sagt Markus Meis.
Eine weitere Maßnahme, um Angestellte von Lärm abzuschirmen, ist die sogenannte Sound-Maskierung. Ein informationsloses Geräusch, etwa ein gleichmäßiges Rauschen, überdeckt dabei den Hintergrundkrach. Weil diese Methode aber immer das Risiko birgt, dass das maskierende Geräusch selbst als störend empfunden wird, ist das wohl eher eine Notlösung. SZ


