Wenig Hilfsbereitschaft unter Kollegen

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Isoliert, gemobbt, alleine gelassen: Das Arbeitsklima in deutschen Unternehmen könnte besser sein. (nvuk@Fotolia.de)

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Wem die Kollegen bei der Arbeit da Verständnis und Hilfsbereitschaft entgegen bringen, der überwindet sein Tief in der Regel recht bald. Einer neuen Studie zufolge ist soziale Unterstützung in deutschen Unternehmen aber keineswegs die Regel. Das schadet letztlich auch dem Arbeitgeber.

Einer Studie der Beratungsgesellschaft ServiceValue zufolge, wird jeder fünfte Arbeitnehmer an seinem Arbeitsplatz nicht sozial unterstützt. Auf Wertschätzung, Anerkennung oder konkrete Hilfen warten die Angestellten also oftmals vergebens. In der Energie- und Finanzwirtschaft sowie im Großhandel ist die Lage offenbar besonders schlimm.

Betriebsklima ist wichtig für Erfolg

"In bestimmten Zweigen der Wirtschaft herrscht eine gewisse Ellenbogen-Mentalität vor, die den Arbeitnehmern den sozialen Umgang miteinander nicht unmittelbar erleichtert. Dabei ist ein gesundes Betriebsklima wichtig, um das Unternehmen als Team gemeinsam nach vorn zu bringen", sagt ServiceValue-Beraterin Nienke van der Veen.

Ein gutes Klima sei allerdings nicht mit einer Kuschelgruppe zu verwechseln, so die Expertin. Wer von seinen Kollegen aber immer nur die kalte Schulter sieht, muss mit schlimmen Folgen rechnen. Nicht selten treibt die Isolation betroffene Mitarbeiter schließlich zum Arzt. Diagnose: Burnout-Syndrom.

Bei der Analyse von knapp 2.000 Arbeitnehmerurteilen aus zwölf Wirtschaftszweigen kommt die Studie zu einem traurigen Ergebnis: Gerade bei zunehmender Arbeitsbelastung und steigendem Leistungsdruck - also wenn die Anfälligkeit für Fehler am größten ist - werden eben diese immer weniger toleriert.

Die Schwächeren werden so automatisch zu Sündenböcken. Sie werden von den Kollegen zuerst isoliert, gemobbt und schließlich alleine im Stich gelassen.

Größte Ellbogenmentalität in der Energiebranche

In der Energiewirtschaft ist der Mangel an sozialer Unterstützung laut der Studie am größten. Mit 46,9 Prozent meldete auch fast jeder zweite Arbeitnehmer in dieser Branche, dass es bei der Arbeit häufig zu Spannungen unter den Kollegen käme. Der Spitzenwert der Umfrage kommt aber ausgerechnet aus dem Gesundheits- und Sozialwesen: Hier klagten 47,4 Prozent über Stress mit den Kollegen.

"Zwar ist ein Arbeitsteam keine Selbsthilfegruppe, dennoch sollten einfache Regeln des Mit- und Füreinanders beachtet und vor allem von den Führungskräften aktiv gefördert werden", betont van der Veen. Ein ehrlicher und respektvoller Umgang zwischen den Arbeitnehmern wäre schon ein guter Anfang - mit positivem Einfluss auf die Produktivität.

Sozialkompetente Mitarbeiter sind aber nicht nur ein Segen für ihr Unternehmen, sie sind auch beliebter. Studien zufolge können bereits Säuglinge zwischen sechs und zehn Monaten Menschen danach unterscheiden, ob sie anderen helfen, sie behindern oder sich neutral verhalten. Helfende Personen stehen dabei in der Gunst der Kleinsten erwartungsgemäß viel höher. pte/ SZ

Externe Links:

„Wenn aus Kollegen Feinde werden“ - Ratgeber zum Umgang mit Mobbing von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.





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