Automobilzulieferer: Neue Hürden, neue Chancen
Europas Automobilzulieferer stehen vor einer doppelten Herausforderung. Neue Richtlinien beim Klimaschutz treiben die Produktionskosten in die Höhe. Gleichzeitig steigt der Konkurrenzdruck aus Ländern wie Indien und China. Nur wer jetzt neue Lösungen entwickelt, kann auch in Zukunft ganz vorne dabei sein.
Die Unternehmensberatung „Management Engineers“ (ME) macht es in einer aktuellen Studie deutlich: Für die europäischen Autobauer ändern sich die Spielregeln. Aufgrund neuer Vorgaben im EU-Emissionsrechtehandel müssen sie ihren CO2-Flottenausstoss noch weiter reduzieren: Es stehen hohe Kosten an.
Existenzielle Mehrkosten
Nach Berechnungen von ME könnten daraus für ein einzelnes Zulieferunternehmen existenzielle Mehrkosten entstehen. Um diese Zusatzbelastung wenigstens teilweise abzumildern, können die Zulieferer in zwei Richtungen verhandeln - mit den Automobilherstellern und mit den europäischen Rohmaterialproduzenten.
"Die Automobilhersteller werden kaum Zugeständnisse machen, da sie selbst unter dem Diktat der überaus hart umkämpften Endkundenmärkte stehen“, sagt Andreas Moritz, Automotive-Partner bei ME. „Und weil hier die Gesamt-Energiebilanz eines Fahrzeugs als Nachfragekriterium immer wichtiger wird, werden die Hersteller sogar noch verstärkte Carbon-Footprint-Anforderungen an ihre Zulieferer stellen.“
Diese neuen Ansprüche an den CO2-Fußabdruck der Komponenten setzen die Zulieferer unter doppelten Druck: Kostenbewältigung und Innovationsleistung.
Die europäischen Zulieferer müssen ihre CO2-Innovationskraft also nochmals erhöhen. Ein ganzheitlicher Blick ist dabei zwingend notwendig. Siehe Leichtbau: Aluminium ermöglicht über sein niedriges Gewicht deutliche CO2-Vorteile in der Betriebsphase. In der Produktionsphase ist es aber deutlich energieintensiver als etwa alternative Kunststoffprodukte. Als insgesamt CO2-sparende Alternative bietet sich daher die Hybridbauweise an.
Chancen in den neuen Märkten
Parallel zu den inner-europäischen Herausforderungen wächst die ausländische Konkurrenz, besonders im asiatischen Raum. Nach Einschätzungen von ME wird schon im Jahr 2015 weltweit jedes zweite Fahrzeug in Asien vom Band laufen. China könnte bis dahin einen Weltmarktanteil von 23 Prozent erreichen. Damit würde es den Standort Nordamerika (17 Prozent) überflügeln und sich mit Europa (24 Prozent) auf eine Stufe stellen. Auch Indien und weitere südasiatische Staaten gewinnen in den kommenden Jahren, ebenso wie Südamerika, stark an Bedeutung.Präsenz und Lieferfähigkeit werden in den Neuen Märkten damit für jedes ambitionierte Zulieferunternehmen zum Pflichtprogramm. Angebotsstrategien müssen entwickelt werden, denn die großen Automobilhersteller verlangen nach ihren bewährten Zulieferpartnern vor Ort. Gleichzeitig braucht es Nachfragestrategien. Denn nur in diesen Märkten wird künftig spürbares Wachstum stattfinden - jedoch zu neuen Konditionen. Die Bezahlbarkeit und das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Automobils stehen hier an oberster Stelle.
Strategisches Spagat
Die Zulieferer stehen vor einem strategischen Spagat: Einerseits verlangen die Neuen Märkte nach günstigen Produkten, andererseits muss für die technologisch anspruchsvollen Heimatmärkte die Steigerung der eigenen Innovationskraft nach wie vor das oberste Ziel sein.
Diese ambivalente Herausforderung wird nach Einschätzung von ME ein Maximum an Engagement und Investition erfordern. Strategische Ausrichtung und operative Organisation werden immer komplexer. Dies gilt für die Optimierung von Lieferketten ebenso wie für die Differenzierung von Vertriebsmodellen. pte/ SZ
Externe Links:
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