EU will Verkehrssystem bis 2050 grundlegend erneuern
Zu langsam, zu teuer und vor allem viel zu umweltschädlich: Die EU ist mit ihrem Verkehrssystem gänzlich unzufrieden. In Zukunft sollen Europas Verkehrswege besser miteinander vernetzt werden und mehr Mobilität garantieren.
„Fahrplan zu einem einheitlichen europäischen Verkehrsraum“ heißt der Wegweiser für die Zukunft des europäischen Verkehrswesens. Das Weißbuch ist gerade einmal 35 Seiten stark, hat es aber in sich. Sollte die EU ihre darin beschriebenen ambitionierten Ziele bis zum Jahr 2050 tatsächlich in die Tat umsetzen, steht der Verkehrssektor vor einer Revolution.
Der Verkehr ist für die Wirtschaft und die Lebensqualität der Europäer von zentraler Bedeutung. In der Verkehrsbranche arbeiten zehn Millionen Menschen, sie erwirtschaften rund fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts der EU. Im Durchschnitt gibt ein privater Haushalt 13 Prozent seines Einkommens für Verkehrsgüter und -dienstleistungen aus.
Um die Finanzierung der neuen Verkehrsinfrastruktur zu gewährleisten, möchte die EU zur Kostendeckung das Benutzer- und Verursacherprinzip umfassender anwenden. Wer vom Verkehrssystem profitiert, soll künftig also auch stärker zu Kasse gebeten werden. Betroffen wären dann also vor allem exportstarke Industrien und Unternehmen, etwa aus Deutschland.
Weniger Emissionen, weniger Abhängigkeit
Der Ausstoß von Treibhausgasen soll stark reduziert werden, gleichzeitig möchte man in Brüssel endlich die Abhängigkeit von Ölimporten senken. Die Blaupause für das Jahr 2050 konzentriert sich dabei auf den innerstädtischen Verkehr, den Personen- und Güterverkehr zwischen Städten und natürlich den Fernverkehr. Die wichtigsten Ziele sind:
- Verbannung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor aus den Städten
- Verlagerung von 50 Prozent des Personen- und Güterverkehrs über Entfernungen ab 300 Kilometern auf Eisenbahn und Schiffe
- Erreichung eines 40 Prozent-Anteils CO2-emissionsarmer nachhaltiger Flugkraftstoffe
- Verringerung der CO2-Emissionen von Schiffen um 40 Prozent
So ehrgeizig die Vorhaben auch sind, sie erscheinen ebenso notwendig: Bis zum Jahr 2050 will die EU ihre Treibhausgasemissionen nämlich um 60 Prozent senken. Im Verkehrssystem sehen die Experten - neben der industriellen Produktion - das größte Einsparpotential.
EU-Bürger sollen mobiler werden
Das neue System sieht vor, dass die Bürger der EU mobiler und die europäischen Verkehrsnetze insgesamt besser integriert werden. Die Maßnahmen zur Förderung größerer Infrastrukturinvestitionen sowie zur Änderung der Güter- und Personenverkehrsmuster sollen die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Marktteilnehmer fördern und Arbeitsplätze schaffen.
Durch eine nahtlose Vernetzung der Land-, Luft-, und Seewege soll ein effizienteres EU-weites Verkehrsnetz geschaffen werden. Die Beförderung von Personen und Gütern könnte dadurch erheblich vereinfacht werden. Auch soll der Ausbau intelligenter Verkehrsmanagementsysteme vorangetrieben werden. Dafür sollen bis 2020 die Verkehrsinformations- und Zahlsysteme für den Personen- und Güterverkehr miteinander vernetzt werden.
Bis 2050 sollen die wichtigsten Flughäfen an das Schienennetz (vorzugsweise an das Hochgeschwindigkeitsnetz) angebunden sein. Auch die wichtigsten Seehäfen sollen bis dahin an das Schienengüternetz oder das Binnenwasserstraßensystem angeschlossen sein. Die Errichtung eines einheitlichen europäischen Luftraums soll die Koordinierung der nationalen Flugsicherungssysteme vereinfachen. SZ
Externe Links:
Das Weißbuch: Fahrplan zu einem einheitlichen europäischen Verkehrsraum
Blick in die Zukunft der Mobilität: Werbevideo der europäischen Kommission


