Teilzeitbeschäftigte bekommen niedrigere Stundenlöhne

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Frauen stellen den Großteil der Teilzeitbeschäftigten, sie sind deshalb besonders vom Ungleichgewicht im Lohngefüge betroffen. (Gina Sanders@Fotolia.de)

Wer eine Teilzeitstelle hat, bekommt meist deutlich weniger Geld je Stunde als Beschäftigte mit Vollzeitjob. Nur ein Teil dieser Verdienstlücke lässt sich durch Qualifikationsunterschiede erklären. Dabei sind Lohnabschläge aufgrund kürzerer Arbeitszeiten eigentlich gesetzlich verboten.

Elke Wolf, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule München, hat die Stundenlöhne für Teilzeit- und Vollbeschäftigte bundesweit verglichen. In Westdeutschland verdienen Frauen in Teilzeitbeschäftigung im Schnitt knapp 2,50 Euro weniger pro Stunde als Arbeitnehmerinnen mit voller Stelle. Der durchschnittliche Bruttostundenlohn der teilzeitbeschäftigten Frauen lag hier 2007 bei rund 13,10 Euro, vollzeitbeschäftigte Frauen erhielten im Schnitt 15,60 Euro. Bei den vergleichsweise wenigen Männern, die in den alten Ländern mit reduzierter Stundenzahl arbeiten, ist der durchschnittliche Lohnabschlag sogar doppelt so groß: Während ein Vollzeitbeschäftigter auf rund 18,10 Euro brutto pro Stunde kam, waren es in Teilzeit lediglich 13,20 Euro.

In Ostdeutschland sind die Differenzen mit gut 80 Cent pro Stunde bei Frauen und knapp 30 Cent bei Männern auf insgesamt niedrigerem Verdienstniveau deutlich geringer.

Betroffen sind fast nur Frauen

„Auch wenn die Lohnabschläge für Frauen, die von der traditionellen Vollzeitbeschäftigung abweichen, geringer sind als bei Männern, erzeugt die hohe Teilzeitquote insgesamt eine sehr große Betroffenheit“, sagt Wolf. Etwa 70 Prozent der Arbeitnehmerinnen kommen laut Statistischem Bundesamt auf weniger als 35 Wochenstunden. Die Teilzeitquote der Männer beträgt dagegen lediglich knapp sechs Prozent.

Wie entstehen die erheblichen Unterschiede beim Stundenlohn? Denn eigentlich verbietet das Teilzeit- und Befristungsgesetz Lohnabschläge aufgrund kürzerer Arbeitszeiten. Faktoren die eine Rolle spielen können sind u.a. Ausbildung, Berufserfahrung, Betriebszugehörigkeit und Branche.

Hochschulabsolventen benachteiligt

Dabei zeigt sich beispielsweise, dass der Verdienstnachteil gegenüber Vollzeitbeschäftigten geringer ist, wenn Teilzeitkräfte bereits lange in ein und demselben Betrieb sind. Weiterhin wird deutlich, dass jene teilzeitbeschäftigten Männer, welche die höchsten Fixkosten in Form von Einstellungs-, Einarbeitungs- und Weiterbildungskosten verursachen, mit den größten Lohneinbußen rechnen müssen. So sind die Abschläge bei Hochschulabsolventen etwa doppelt so hoch wie bei anderen Teilzeitbeschäftigten. Dies deutet darauf hin, dass die Betriebe die zusätzlichen Kosten der Teilzeitarbeit auf die Arbeitnehmer umwälzen.

Dennoch: Der größte Teil der Lohnlücke zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten lässt sich nach Wolfs Berechnungen nicht ohne Weiteres erklären. Bei westdeutschen Frauen, der größten Gruppe mit Teilzeitjobs, bleibt ein Lohnunterschied von elf Prozent. Die niedrigsten Teilzeit-Löhne finden sich bei Stellen mit Wochenarbeitszeiten bis 14 Stunden - oft Minijobs. Ein gutes Zehntel der Arbeitnehmerinnen im Westen kommt auf eine so geringe Stundenzahl.

Hochwertige Teilzeitarbeit nützt allen

Die Wissenschaftlerin sieht im Lohnrückstand von Teilzeitbeschäftigten ein gravierendes Problem - für die Betroffenen, aber auch für alle Bestrebungen, Familie und Berufstätigkeit leichter vereinbar zu machen. Daher solle „bei allen politischen Maßnahmen zur Förderung flexibler Arbeitszeiten auch auf die Qualität der Teilzeitbeschäftigung geachtet werden“, empfiehlt Elke Wolf. Teilzeitstellen „sollten so organisiert sein, dass die bisherigen Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten weitergeführt werden können“. Nur so ließen sich einerseits Einkommen und Karrierechancen der Beschäftigten sichern und andererseits künftige Fachkräfteengpässe mildern. „Bei der Schaffung hochwertiger Teilzeitstellen besteht noch ein erhebliches Potential“, sagt Wolf. MB

Externe Links:

Website von Professorin Elke Wolf an der Hochschule München





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