CAMP kämpft gegen Plagiate
Plagiate sind eine Geißel für den innovationsfreudigen deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Um die Kräfte im Kampf gegen die Produktpiraterie zu bündeln, eröffnet die TU Darmstadt gemeinsam mit Partnern aus der Industrie am 24. Februar das „Centrum für Angewandte Methoden gegen Produktpiraterie (CAMP)“.
Plagiarismus ist kein Kavaliersdelikt - was für die Wissenschaft gilt, gilt ebenso für die Industrie. Auf der Website Plagiarius.de lassen sich die krassesten Beispiele für Produktpiraterie bewundern. Besonders dreiste Imitate bekommen jährlich den Negativpreis „Plagiarius“. Die Folgen des Ideenklaus schlagen sich in realen Zahlen nieder: Auf rund 6,4 Milliarden Euro schätzen die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer ihre jährlichen Umsatzeinbußen durch Produktpiraterie. Der volkswirtschaftliche Schaden wird allein für Deutschland auf 29 Milliarden Euro geschätzt, zehn Prozent der weltweit gehandelten Waren sind Fälschungen und Nachahmungen. Zwei Drittel der deutschen Anlagenbauer sind nach eigenen Angaben von Produktpiraterie betroffen.
Gemeinsam stärker
Die negativen Folgen reichen von Umsatzverlusten über Imageschäden bis zu unberechtigten Regressforderungen - wenn die Kunden Imitationen in dem Glauben kaufen, es handele sich um ein Original. Um Originalhersteller vor den Folgen der Produktpiraterie zu schützen, eröffnen das Institut für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen (PTW) der TU Darmstadt, das Patentinformationszentrum Darmstadt und die Festo AG & Co. KG am 24. Februar das CAMP in Darmstadt.
Schutzlücken finden und schließen
Das CAMP will die Expertise aus den Bereichen Risikobewertung, Organisation von Know-how-Schutz im Unternehmen sowie Realisierung technischer Schutzkonzepte bündeln und betroffenen Unternehmen als zentraler Ansprechpartner zum Thema Produkt- und Know-how-Schutz dienen.
Wichtigste Waffe gegen Produktpiraten ist dabei die Prävention: Die CAMP-Partner verfügen über ein IT-basiertes Analysewerkzeug, mit dessen Hilfe die Unternehmen ihre Schutzlücken finden und passende Schutzmaßnahmen auswählen können. So empfiehlt das Risikoprozessmodell je nach Art der Gefährdung unterschiedliche Vorgehensweisen: Dabei kann es sich um den Einsatz von Kennzeichnungstechnologien handeln oder um Computer-Programme, die CAD-Datenmodelle so bearbeiten, dass wettbewerbsrelevantes Wissen geschützt, aber gleichzeitig die Zusammenarbeit mit einem Entwicklungspartner noch möglich ist.
Plagiate automatisch erkennen
Die Partner des CAMP haben außerdem ein technisches Konzept zum Schutz von Werkzeugmaschinenkomponenten entwickelt: Dabei prüft die Maschinensteuerung automatisch, ob es sich bei den eingebauten Komponenten um Originale handelt. Dadurch kann der Originalhersteller ungerechtfertigte Regressansprüche ausschließen und dem Kunden die Gewissheit bieten, auch nach einem Austausch von Ersatzteilen über eine leistungsfähige und sichere Werkzeugmaschine zu verfügen.
Im Netzwerk wehrhaft
Das CAMP ist aus dem Verbundprojekt „ProOriginal“ entstanden, das 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert worden war. In dem Projekt hat ein Konsortium aus Industrie und Wissenschaft über drei Jahre hinweg Maßnahmen und Methoden zum Schutz vor Piraterie und Know-how-Abfluss für Werkzeugmaschinenhersteller und ihre Produkte entwickelt. Die CAMP-Gründungsmitglieder wollen die Ergebnisse des Projekts durch Beratung, Schulungen und Networking-Veranstaltungen interessierten Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau zugänglich machen. MB
Externe Links:
Homepage des Vereins Plagiarius


