Top oder Flop: Was wird aus Ägyptens Wirtschaft?

aegypten
Welchen Weg Ägyptens Wirtschaft auch einschlagen wird: Es wird Signalwirkung für die ganze Region haben. (Horticulture@Fotolia.de)

In Ägypten sind die Unruhen vorerst vorbei, die politischen Gespräche kommen in Gang. Die Wirtschaft des Landes bleibt aber lahmgelegt, ausländische Firmen haben ihr Personal abgezogen, die Börse ist geschlossen. Doch aus der Krise kann die Wirtschaft der ganzen Region gestärkt hervorgehen, glauben Experten.

Die anhaltenden Unruhen in Ägypten und die instabile Lage vieler Nahost-Staaten haben nicht nur dort tätige Unternehmen, sondern auch die Akteure an den Kapitalmärkten aufgeschreckt. Während Ägyptens Banken und Geschäfte mittlerweile wieder teilweise geöffnet haben, bleibt die Börse nach wie vor geschlossen. Durch die Aussetzung des Handels seit Beginn der Unruhen können sich Anleger derzeit nicht aus dem Land zurückziehen. Aus anderen ähnlich risikobehafteten Regionen ergreifen hingegen immer mehr Investoren die Flucht. Sie fürchten eine mögliche Ausbreitung der Ägypten-Krise und horten ihr Geld vorzugsweise in den politisch stabileren Industrieländern - zumindest bis sich die Lage beruhigt.

Risiken wurden vielfach ignoriert

Der Aufruhr in Ägypten hat den Anlegern offenbar die Augen geöffnet und das Bewusstsein über die Risiken in den sogenannten Emerging Markets zurückkehren lassen. Denn nicht nur Ägypten befindet sich in Aufruhr: Proteste wurden aus dem Sudan, Yemen und Jordanien gemeldet, und via Internet wird zu Protesten in Algerien, Libyen und Bahrain zumindest bereits aufgerufen. Damit ist bald vielleicht auch ein Golfstaat betroffen und mit Libyen ein wichtiger Ölexporteur.

Hat die Finanzindustrie die Länder im südlichen Mittelmeer bislang noch als Boomregionen mit überzeugendem Renditepotenzial gefeiert, so sorgt das revolutionäre Klima nunmehr für einen raschen Kapital-Abzug.

Politische Stabilität kein Dauerzustand

Insbesondere bei Wertpapierinvestitionen warten auf Anleger in den Schwellenländern Risiken, die über jene hinausgehen, die Börsengeschäfte traditionellerweise ohnehin mit sich bringen. Politische Stabilität ist kein garantierter Dauerzustand und Gefahren, etwa in Form von Inflationsrisiken, Bestechung oder Korruption, sind zudem ungleich höher sind als in westlichen Wirtschaftssystemen, sagt Michael Bond, Vize-Präsident der Zurich International Surety, Credit & Political Risk, gegenüber der Nachrichtenagentur Pressetext.

Einer Studie der französischen Investmentbank Crédit Agricole CIB zufolge verliert Ägypten an jedem Tag, an dem es durch die Proteste paralysiert ist, rund 230 Millionen Euro. Laut „Financial Times Deutschland“ haben die Investoren allein in der vergangenen Woche über sieben Milliarden Dollar an Kapital aus den Emerging Markets abgezogen, was den größten Mittelabfluss seit drei Jahren darstellt.

Positiver Blick in die Zukunft

Die „Börsen-Zeitung“ kommentiert das Geschehen hingegen so: „Trotz der überwiegend negativen kurzfristigen Reaktionen darf man davon ausgehen, dass die Veränderungen, die in Ägypten geschehen, für Anleger mittel- und langfristig höchstwahrscheinlich positiv sind“. Was sich derzeit in Nordafrika und im arabischen Raum beobachten lasse, laufe darauf hinaus, dass sich die Bevölkerung korrupter Eliten entledige und die wirtschaftliche Stagnation beendet werde. Die Stagnation lasse sich an der Armut breiter Bevölkerungsschichten ablesen, aber auch daran, dass etwa die Börse Kairo eine niedrigere Marktkapitalisierung habe als die Daimler AG .

Großes Potenzial

Analysten sind sich darin einig, dass Länder wie Ägypten ein großes Potenzial haben. So hat Goldman Sachs Ägypten schon vor einigen Jahren auf die Liste der „Next Eleven“ gesetzt, damit also zu den elf Staaten gezählt, die sich durch eine große Bevölkerungszahl, ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial und die Aussicht auf einen kräftigen Anstieg des privaten Konsums auszeichnen. Dieses Potenzial gelte es zu wecken, wobei die politische Entwicklung in der Türkei als Vorbild dienen könne. pte/MB

Externe Links:

Homepage der „Financial Times Deutschland“

Homepage der „Börsen-Zeitung“





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