Recruiting: Mittelstand setzt auf optimierte Work-Life-Balance

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Menschen wollen ihre Energie auf viele Lebensbereiche verteilen. Im Wettstreit um die besten Köpfe sollten Unternehmen dies berücksichtigen. (Phoenixpix@Fotolia.de)

Um Fachkräfte in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs möglichst lange zu binden, setzen deutsche klein- und mittelständische Unternehmen verstärkt auf eine familienfreundliche Personalpolitik und flexible Arbeitszeitmodelle. Und sie haben Erfolg damit.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufwind, gleichzeitig fehlt in vielen Branchen qualifiziertes Personal - der Arbeitsmarkt ist leergefegt. In dieser Situation müssen die Unternehmen um die klugen Köpfe konkurrieren. Nach den großen Konzernen haben auch die Arbeitgeber des Mittelstands eine familienfreundliche Personalpolitik als wichtigen Image- und Wettbewerbsvorteil ausgemacht. Nun rüsten sie in Sachen Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit auf.

Die erfolgreichsten mittelständischen Unternehmen in Deutschland pflegen eine rücksichtsvolle Personalpolitik. Sie bieten ihren Arbeitnehmern Erholung beim Erklimmen der Karriereleiter und mehr Zeit für die Familie. Dies zeigt die „Top Job“-Studie, die die Universität St. Gallen, Schweiz, veröffentlicht hat.

Wohlfühl-Atmosphäre für Angestellte

Flexible Arbeitszeiten, damit Hobbys und Familie nicht zu kurz kommen, betriebsinterne Kinderbetreuung oder unkomplizierte Wege, nach der Elternzeit wieder ganz normal weiterzuarbeiten - die richtige Work-Life-Balance ist eine der Qualitäten, die einen guten Arbeitgeber ausmachen. „Es gibt ein starkes Bewusstsein bei den Arbeitgebern für das Thema Familienfreundlichkeit und Work-Life-Balance“, sagt Professorin Heike Bruch, Direktorin am Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen. „Bereits jetzt sind qualifizierte Mitarbeiter schwer zu finden. Deshalb müssen Unternehmen eine Atmosphäre bieten, in der sich Beschäftigte wohlfühlen.“ Die erfolgreichsten Arbeitgeber im Mittelstand, die im Rahmen des Arbeitgeberrankings untersucht wurden, haben dies erkannt.

„Um als Arbeitgeber für neue Mitarbeiter attraktiv zu sein und eine bessere Bindung des Personals aufzubauen, rüsten mittelständische Unternehmen verstärkt in diesem Bereich auf“, sagt Bruch. Ihr Lehrstuhl untersuchte die besten Arbeitgeber des Mittelstands. Die Ergebnisse der Studie: Bei fast allen „Top Job“-Unternehmen 2011 können sich die Angestellten ihre Arbeitszeit flexibel einteilen. Drei Viertel erlauben Arbeit von zu Hause aus - 2008 bot das nur jedes fünfte Unternehmen an.

Flexibilität und Fürsorge

Und der Trend geht zu noch mehr Flexibilität: 93 Prozent bieten Teilzeitmodelle an, Tendenz weiter steigend. Bei Maßnahmen zur Betreuung von Kindern und Senioren haben die Unternehmen aus dem Osten der Bundesrepublik die Nase vorn: 25 Prozent unterstützen dieses Anliegen ihrer Angestellten. Im Westen bieten nur zwölf Prozent Unterstützung für den Nachwuchs, und nur acht Prozent der West-Unternehmen engagieren sich für die Unterstützung betreuungsbedürftiger Angehöriger.

Auch Langzeiturlaube - sogenannte Sabbaticals - gewinnen bei den besten Arbeitgebern wieder mehr an Bedeutung. Sie geben ihren Mitarbeitern Gelegenheit die Arbeit längere Zeit ruhen zu lassen, zu reisen, Kraft zu schöpfen und danach neu durchzustarten. Vor dem Krisenjahr 2009 boten das mehr als 80 Prozent der Unternehmen an, dann folgte ein drastischer Einbruch auf rund 30 Prozent. Heute genehmigen wieder mehr als 40 Prozent ihren Beschäftigten diese Form des Urlaubs.

Familienfreundlichkeit vor Gehalt

Der Mittelstand tut also immer mehr dafür, dass sich Beruf und Privatleben angenehmer verbinden. Damit treffen sie den Nerv der Zeit: Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums sehen 90 Prozent der Arbeitnehmer zwischen 25 und 39 Jahren Familienfreundlichkeit bei der Arbeitgeberwahl als mindestens genauso wichtig an wie das Gehalt. Viele würden sogar den Arbeitgeber zugunsten mehr Familienfreundlichkeit wechseln. Personalexpertin Bruch sieht darin eine Chance für die Unternehmen, qualifizierte Mitarbeiter zu halten. MB

Externe Links:

Download der „Top Job“-Studie 2011

Homepage von Professorin Heike Bruch





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