Kunden fordern nachhaltige Produkte
Unsoziales und umweltschädliches Wirtschaften wird mit Boykott bestraft.
Verbraucher treffen Kaufentscheidungen immer bewusster: Längst achten sie nicht nur darauf, ob etwa Produkte ökologisch unbedenklich sind, eine Rolle spielt auch, ob angemessene Löhne gezahlt werden und die Arbeitsbedingungen fair sind. Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften, droht Boykott.
Jeder zweite Verbraucher hat schon einmal Produkte von Firmen boykottiert, die nachweislich die Umwelt schädigen oder unter sozial bedenklichen Umständen hergestellt wurden. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Untersuchung von IBH Retail Consultants, der auf Managementberatung spezialisierten Tochter des Instituts für Handelsforschung IFH) in Köln.
Es kommt immer alles raus
„Die Unternehmen sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Kunden die Macht haben und in Zeiten des Internets über kurz oder lang alles an die breite Öffentlichkeit gelangt“, sagt Anne M. Schüller, Marketingexpertin von der gleichnamigen Münchner Beratungsgesellschaft. Skandale zu vertuschen, sei kaum noch möglich. Stattdessen sollten Unternehmen bei Vorfällen proaktiv agieren, sagt Schüller.
Auch IFH-Chef Boris Hedde findet klare Worte: „Das Thema Nachhaltigkeit meint weit mehr als nur Recycling-Papier und Bio-Produkte. Es setzt auf das verantwortungsvolle Handeln und Wirtschaften“, sagt der Fachmann. Trotz ausgeprägter Preissensibilität deutscher Verbraucher und preis-aggressiven Vertriebsformen auf Seiten des Handels setze sich zunehmend ein Wandel durch. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit werden in Zukunft längst nicht nur der Preis oder die Qualität als Mehrwert, sondern auch die soziale Verantwortung sein.
Prozesse prüfen und umstellen
Egal ob Fachhandel, Supermarkt, Warenhaus oder Discounter - nur wer als Handelsunternehmen die strategischen Chancen eines auf Nachhaltigkeit setzenden Konzepts erkenne, werde sich am Markt durchsetzen. Dies funktioniere nur dann wenn Konsumgüterindustrie und Handel mit einem umfassenden Konzept ihre Produkte sowie ihre gesamten Unternehmensprozesse und Zulieferketten auf Nachhaltigkeitskriterien überprüfen und abstimmen.
60 Prozent der Deutschen haben bereits reagiert
Der Erhebung nach müssen Unternehmen permanent auf ihre Außenwahrnehmung achten. Die Meinung der Öffentlichkeit von einem Unternehmen wird durch viele Aspekte bestimmt: die Ausrichtung des Waren-Sortiments, die Einbindung ökologischer Produkte, die Berücksichtigung der Umwelt, den Umgang mit Ressourcen, faire Arbeitsbedingungen im In- und Ausland sowie soziales Engagement. Daraus ergeben sich Wettbewerbsvorteile. „Der Verbraucher von heute will mit gutem Gewissen einkaufen. Und der Handel will gute Umsätze und mehr Marktanteile mit gutem Gewissen erzielen. Das ist kein Widerspruch, sondern eine hervorragende Ergänzung“, sagt Susanne Eichholz-Klein, Projektleiterin beim IBH.
Rund 60 Prozent der 1000 befragten Deutschen haben ihr Einkaufsverhalten in Bezug auf den Aspekt der Nachhaltigkeit geändert. Die Angebotsvielfalt, die der Markt für nahezu jedes Produkt bereithält, macht es den Verbrauchern dabei oft leicht, sich strikt gegen ein unbeliebtes Unternehmen zu wenden. MB
Externe Links:
Homepage der IBH Retail Consultants GmbH
IBH Branchenreport Spezial „Nachhaltigkeit“, Jahrgang 2010/2011
Marketingberaterin Anne Schüller


