Zwei Milliarden Euro Schaden durch Korruption in Behörden
Verwaltungen seltener betroffen als Privatwirtschaft
Ist von Korruption und Bestechung die Rede, steht meist die Wirtschaft am Pranger. Doch zu einem illegalen Geschäft gehören immer zwei. Eine Erhebung der Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers (PwC) zeigt, dass im Schnitt fast jede zweite Behörde in Deutschland korrupt ist. Der volkswirtschaftliche Schaden: zwei Milliarden Euro jährlich.
Korruption, Unterschlagung und andere Straftaten sind nicht nur in Unternehmen, sondern auch in der öffentlichen Verwaltung ein gravierendes Problem. Eine Erhebung der Unternehmensberatung PwC und der Universität Halle Wittenberg zeigt, dass sich allein die Fälle der Korruption - also Bestechlichkeit und Vorteilsannahme - in deutschen Behörden auf rund 20.000 Fälle belaufen. Der jährliche verursachte volkswirtschaftliche Schaden beträgt mindestens zwei Milliarden Euro.
Wirtschaft und Behörden in einem Boot
„Für die Wirtschaft ist dieses Ausmaß natürlich kein gutes Vorbild. Besonders stark betroffen sind vor allem die Bereiche Ausschreibungen und Genehmigungen - dies jedoch auch erst ab einem bestimmten Wert“, erklärt eine Amtsleiterin aus Sachsen-Anhalt. Bevor öffentlich scharf geäußerte Kritik an den Machenschaften in der Wirtschaft geäußert würde, hätten viele der Verwaltungen selbst erst einmal vor der eigenen Türe zu kehren.
Der Vergleich der vorliegenden Ergebnisse mit denen der PwC-Studie zur Wirtschaftskriminalität von 2009 zeigt, dass die öffentliche Verwaltung seltener von Straftaten betroffen ist als die Privatwirtschaft. Soweit vergleichbar gab es bei 22 Prozent der Behörden nachgewiesene Delikte, jedoch bei 48 Prozent der befragten Unternehmen.
„Vor allem Bauämter sind einer potenziellen Gefahr bei Genehmigungsprozessen ausgesetzt“, sagt die Fachfrau. Ausgaben in Präventionsmechanismen seien das einzige Mittel, um Bestechlichkeit und Vorteilsnahme wirkungsvoll zu bekämpfen.
Korruption und Vermögensdelikte weit vorn
Jeder fünfte Behörden-Mitarbeiter sieht sich gelegentlich oder sogar häufig mit Korruptionsversuchen von Unternehmen oder Privatpersonen ausgesetzt. Delikte wie Unterschlagung, Betrügereien bei Subventionen oder auch Preisabsprachen kosten den Steuerzahler viel Geld: Die direkten Schäden durch die 251 schwersten Straftaten belaufen sich auf 274 Millionen Euro, woraus sich hochgerechnet die Gesamtbelastung von mindestens zwei Milliarden Euro ergibt.
Am häufigsten berichteten die Behörden über nachgewiesene beziehungsweise vermutete Korruptionsfälle (32 Prozent der Behörden) und Vermögensdelikte (30 Prozent) wie beispielsweise Betrug und Unterschlagung. Deutlich seltener waren die Befragten von wettbewerbswidrigen Absprachen (18 Prozent), Urkundenfälschung (16 Prozent) und Subventionsbetrug (7 Prozent) betroffen.
Die Studie hat repräsentativ die Kriminalitätsbelastung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland erfasst. Untersuchungsbasis ist eine Befragung von 500 Behördenvertretern sowie 1000 Bundesbürgern durch TNS Emnid. pte/MB
Externe Links:
Homepage von Pricewaterhouse-Coopers
Homepage von Transparency Internationel e.V.


