Zwischen Job und Familie - das Männer-Dilemma

Doppelrolle setzt viele Väter unter Druck

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Karriere, Familie, Hobbys: Viele Männer scheitern an der Herausforderung, alle Interessen unter einen Hut bekommen zu wollen. (Foto: Pavel Losevsky©Fotolia.de)

Was macht heutzutage einen guten Vater aus? Vor allem unter Akademikern setzt sich eine neue Definition der Vaterrolle durch: Ein guter Vater sollte nicht nur Ernährer der Familie, sondern auch häufig anwesend und fürsorglich zu seinen Kindern sein. An diesem Anspruch jedoch scheitern viele Männer.

Ein guter Vater ist heute nicht mehr bloß der Ernährer der Familie, er soll und will sich auch seinen Kindern widmen. Dass viele Männer dieser neue gesellschaftliche Anspruch gehörig unter Druck bringt, zeigt eine Studie des Zentrums Gender Studies der Universität Basel. Befragt wurden 60 Akademiker, teils mit und teils ohne Kinder.

Die Mehrheit der Männer sieht sich selbst weiterhin in der Rolle als Hauptverdiener der Familie. „Das Bild des Ernährers ist noch immer ein wichtiger Anhaltspunkt sowohl der Männer als auch der Gesellschaft insgesamt. Wer anders handelt, muss seinen Standpunkt verteidigen“, sagt Diana Baumgarten, Co-Autorin der Studie. Geändert hat sich die Einstellung zur Familie: „Die meisten Männer wollen sich anders als ihre eigenen Väter verhalten, die sie oft als distanziert oder nicht als adäquates Gegenüber erlebt haben. Viele möchten zeitlich mehr oder zumindest deutlicher spürbar für die eigenen Kinder anwesend sein.“

Ansprüche scheitern an Realität

Die Ansprüche der Gesellschaft und der Eltern an sich selbst wachsen also, während der Beruf weiterhin das männliche Selbstverständnis bestimmt. Wer beide Rollen unter einen Hut bringen will, muss deshalb einige Probleme überwinden. Der gesellschaftliche Anspruch ist mit der Realität der Arbeitswelt oft schwer zu vereinen.

So ist Teilzeitarbeit für Männer noch kaum möglich und Elternzeit oder gar Erziehungszeit zu nehmen bedeutet de facto wenigstens einen Karriereknick. Manche Männer resignieren deshalb und entscheiden sich ganz gegen eine Familiengründung. „Das geschieht meist nicht aus hedonistischen Karrieregedanken, sondern weil sie glauben, die Vereinbarkeit nicht bewerkstelligen zu können“, sagt die Forscherin.

Chance zur beruflichen Neuorientierung

Für Männer, die den Schritt zur Familiengründung wagen, eröffnen sich jedoch Chancen: So orientieren sich Männer zu diesem Zeitpunkt etwa beruflich neu und teilen die Erwerbstätigkeit mit ihrem Partner untereinander neu auf, damit sie die Kinder intensiver betreuen können. Dabei achten Männer besonders darauf, trotz Kindern eigene Freiräume etwa für Hobbys und Freunde zu haben. „Bei Eltern ist heute zu beobachten, dass es immer weniger einen festgelegten Alltag gibt, sondern dass die Rollen ständig neu verhandelt werden“, sagt Baumgarten. Dies kann natürlich viel Kraft kosten aber auch neue Motivation freisetzen.

Rückfall in alte Rollenmodelle

In welche Richtung sich die Rolle des Mannes entwickelt ist laut Baumgarten noch nicht entschieden. Einiges deute darauf hin, dass in Zukunft alte und neue Rollenbilder parallel nebeneinander existieren. „Manche Männer sind verunsichert und übernehmen wieder traditionelle Muster. Doch auch der gesellschaftliche Rückhalt und die Akzeptanz neuer Vatermodelle wächst.“ Bei Akademikern spitzten sich manche Entscheidungen zu, da die Familiengründung wegen des Studiums und der häufigen Karriere der Partnerin oft später erfolge. Die Situation sei in anderen Milieus aber ähnlich.

Stark ist, wer Karriere macht

Politisch fordern die Studienautoren für Männer bessere Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu schaffen. „Teilzeit-Stellen oder eine Reduzierung der Arbeitszeit um zehn oder 20 Prozent sind in vielen Berufen noch ein Novum und erfordern viele Verhandlungen.“ Laut einer aktuellen GfK-Studie, befürwortet die Mehrheit sowohl der Frauen als auch der Männer Teilzeit für beide Elternteile. In die Praxis setzen dies dennoch nur verschwindend wenige Männer um. „Das Umdenken ist noch nicht geschehen. Nach wie vor werden Überstunden und Vollzeitkarriere glorifiziert“, sagt Baumgarten. pte/MB

Externe Links:

Zentrum Gender Studies an der Universität Basel





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