Skandinavier erklären Bargeld zum Auslaufmodell

Plastikkarten haben Münzen und Scheine verdrängt

bargeld
Die Norweger schaffen nach und nach ihr Bargeld ab, sie bezahlen lieber mit Karte. (Foto: Christopher Walker©Fotolia.de)

„Bargeld braucht nur noch deine Oma - und der Bankräuber.“ Mit diesem Slogan werben schwedische und norwegische Gewerkschaften derzeit für ein Gesellschaftsmodell, das auf Barzahlungsmittel völlig verzichtet und stattdessen auf Kartenzahlung setzt. In Skandinavien könnte dies sogar funktionieren.

Die europäischen Staaten und ihre Bürger unterscheiden sich in vielen Dingen: In der Art und Weise, wie sie kochen, wie sie Urlaub machen und auch, wie sie ihre Einkäufe bezahlen. Jedenfalls wird nirgendwo sonst so häufig mit Karte statt mit Münzen und Scheinen bezahlt, wie in nordeuropäischen Ländern. Beispielsweise bezahlt laut dem Finanzforschungsinstitut Lafferty jeder Däne im Schnitt 166-mal pro Jahr mit Karte. Zum Vergleich: Der Weltschnitt liegt bei 28 Kartentransaktionen je Verbraucher und Jahr. Der durschnittliche Däne setzt mit seinen Plastikkarten dabei 12.947 US-Dollar im Jahr um. Ein Norweger kommt noch auf 8646 US-Dollar, ein Schwede auf 6187 US-Dollar und ein Deutscher auf 5444 US-Dollar.

Kartenzahlung boomt

Vor allem in Schweden und Norwegen wird derzeit öffentlich diskutiert, ob auf Bargeld nicht gänzlich verzichtet werden kann. In Skandinavien sind nicht nur die Karten-Umsätze besonders hoch, dort spielt bargeldloses Bezahlen auch eine viel größere Rolle als etwa in Deutschland. Die Verbraucher in Skandinavien favorisieren eindeutig die Karte als alltägliches Zahlungsmittel: Bis zu 95 Prozent der Kartenzahlungen werden dort in Supermärkten und anderen Geschäften getätigt. In Deutschland entfällt nur ein Drittel des Kartenumsatzes auf Einkäufe im Einzelhandel. Der restliche Umsatz geht auf Bezahlverfahren im Online-Handel zurück. Nur weil dieser boomt, wird die Kartenzahlung auch in Deutschland immer beliebter.

Gebühren behindern und fördern

Der Einsatz von Karten als Bezahlmittel im Einzelhandel wird hierzulande noch zu sehr behindert. Viele Geschäfte erlauben ihren Kunden die Kartenzahlung erst ab einem Mindestbetrag von drei bis zehn Euro. In Skandinavien sind solche Einschränkungen undenkbar. Im Gegenteil: Die schwedische Notenbank fördert die Karte systematisch. Pro Barzahlung fallen im Schnitt 4,6 Kronen (50 Cent Euro) Transaktionskosten an, bei Kartenzahlung sind es hingegen nur drei Kronen. Statt weiter Gebühren für den Karteneinsatz zu erheben, denkt man im Norden darüber nach, eine Gebühr für das Abheben von Bargeld an Automaten einzuführen.

Und weil sie im Handel keine Rolle mehr spielt, hat Norwegens Notenbank beschlossen, als letzte Øre-Münze die 50-Øre-Münze aus dem Verkehr zu ziehen. Damit ist die Ein-Kronen-Münze das neue, kleinste Geldstück.

Karten lösen keine Probleme

Als Argument für die Abschaffung des Bargelds führen etwas Gewerkschaften an, das Bargeld die Kriminalität fördere. Würde man in Geschäften nur noch mit Karte zahlen können und hätten Verbraucher weniger Bargeld in der Tasche, gäbe es weniger Überfälle, so die These. Die Argumentation vieler Einzelhandelsvertreter, durch Bargeldverzicht die Kriminalität bekämpfen zu können, ist für Fachleute wie Horst W. Opaschowski, wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, nicht immer eingängig: „Obwohl in Zeiten der Wohlstandswende Sicherheit für die Bürger wichtiger als Freiheit wird, glaube ich nicht, dass sich aufgrund einer bargeldlosen Gesellschaft Kriminalität abschaffen lässt.“ Zu tief lägen die gesellschaftlichen Gründe der größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich. „Zwar könnte ein derartiges System regional in einigen Ländern allein für sich funktionieren, aber nie global“, sagt der Zukunftsforscher. „Eine komplett bargeldlose Gesellschaft ist trotz des technischen Vordringens in nahezu alle Lebensbereiche international nicht vorstellbar.“ pte/MB

Externe Links:

Finanzforschungsinstitut Lafferty (Englisch)

Stiftung für Zukunftsfragen, Initiative von British American Tobacco (BAT)





Einen Moment bitte...

Ihre Anfrage wird bearbeitet. Dieser Vorgang kann einige Sekunden in Anspruch nehmen.

Einen Moment bitte...
Hilfe zur Suche

Tragen Sie einen oder mehrere Suchbegriffe in das Eingabefeld ein, z.B. gesuchte Firma, Ort, PLZ, Branche, Inhaber, Geschäftsführer.

mehr Informationen

Hilfe zur Suche

Tragen Sie den Namen der gesuchten Firma in das Eingabefeld ein.

mehr Informationen

Firmeneintrag-Daten

Alle Daten mit diesem Symbol wurden von der angezeigten Firma aktiv bei FirmenWissen eingetragen. Möchten Sie Ihr Unternehmen ebenfalls professionell präsentieren? Informieren Sie sich hier über Firmeneintrag PLUS und PRO!

mehr Informationen

Ihr abgelaufenes Dokument

Das Zeitlimit zur Ansicht dieses bereits zuvor von Ihnen gekauften Dokuments ist abgelaufen.