Steuerliche Betriebsprüfung: Vorbereitung spart Zeit und Geld

Finanzämter passen ihren Fokus neuen Wirtschaftsstrukturen an

Logistik 2030
Alle Zahlen werden unter die Lupe genommen - trotzdem muss eine Betriebsprüfung nicht zwingend aufwendig, teuer und nervig sein. (Foto: robynmac©Fotolia.de)

Eines Tages trifft es den Kioskbesitzer an der Ecke genauso wie den internationalen Großkonzern: Plötzlich steht das Finanzamt vor der Tür und möchte eine steuerliche Betriebsprüfung durchführen. Damit sich Kosten und Aufwand dafür in Grenzen halten, sollten sich Unternehmen auf den Besuch vom Finanzamt gut vorbereiten.

Steuerliche Betriebsprüfungen in Deutschland fordern einen erheblichen Zeit- und Kostenaufwand, das zeigt die Umfrage „German Income Tax Audits - Survey on the Experiences of Inbound Investors“ welche die Beratungsgesellschaft Deloitte international unter Investoren durchgeführt hat. Der organisatorische wie finanzielle Aufwand, den steuerliche Betriebsprüfungen hierzulande mit sich bringen, verärgert wohl jeden Unternehmer. Die Gründe dafür liegen nicht nur beim Finanzamt, sondern auch bei den Unternehmen selbst.

Prüfer kommen selten, bleiben lange

Die Befragten kritisieren vor allem, dass sich durch lange Intervalle zwischen zwei Prüfungen eine erhebliche Zahl ungeprüfter Jahre aufsummiert, was den Prüfungsprozess besonders aufwendig macht. Im Durchschnitt war 2004 das letzte abschließend geprüfte Jahr, das letzte Jahr bei aktuell laufenden Betriebsprüfungen ist 2006. Die Prüfung nahm dabei bei 67 Prozent der Unternehmen mehr als ein Jahr in Anspruch und meistens verlangten die Prüfer den Zugriff auf elektronische Unternehmensdaten.

Die Prüfung geht offenbar meist ohne größere Konflikte über die Bühne „Das deutsche Steuerrecht gilt als kompliziert und natürlich sind Betriebsprüfungen nicht beliebt - dennoch bezeichnen lediglich 20 Prozent der Befragten die Atmosphäre während der Prüfung als gespannt bis unfreundlich“, sagt Christian Ehlermann von Deloitte.

Vorbereitung spart Zeit und Geld

Bemerkenswert: Trotz der großen Bedeutung der Prüfungen verfügte und verfügt kaum ein Unternehmen über einen speziellen Beauftragten. Nach einer Steuerprüfung jedoch haben 84 Prozent der Unternehmen Maßnahmen zur Optimierung ihrer Steuerposition eingeleitet. Bei über einem Drittel bestanden diese in einer umfassenderen Dokumentation.

Empfehlenswert sei laut Deloitte überdies ein proaktives Management sowie eine detaillierte Analyse der bestehenden Risikobereiche. Knapp die Hälfte der Befragten bewertet die eigene Steuerplanung als sehr oder moderat konservativ, nur 15 Prozent bescheinigen sich selbst eine aggressivere Herangehensweise. „Die Unternehmen sollten sich so gut wie möglich vorbereiten - hilfreich ist ein "Quick Check", um bereits im Vorfeld potenzielle Schwachstellen zu identifizieren und zu beseitigen“, sagt Ehlermann.

Finanzierungsstrukturen im Fokus

Bei den Prüfungen stehen vor allem die Verrechnungspreise, die Bewertung von Vermögen und Verbindlichkeiten sowie die Abzugsfähigkeit von Ausgaben im Fokus. Am meisten Geld jedoch bringt dem Fiskus die Prüfung der Voraussetzungen für eine Gruppenbesteuerung (Organschaft): Durchschnittlich 97 Prozent der jährlichen Ertragsteuern sind bei hiervon betroffenen Umfrageteilnehmern als Steuernachforderung angefallen - während alle Betriebsprüfungs-Nachforderungen bei 49 Prozent der Ertragssteuerbelastung liegen. Auch die Prüfung von Finanzierungsstrukturen gewinnt an Bedeutung. Für zukünftige Betriebsprüfungen wird außerdem erwartet, dass die Verlagerung von Produktions- oder Vertriebsfunktionen ins Ausland besonders kritisch betrachtet werden wird.

Bei den Verrechnungspreisen monierten die Betriebsprüfer in den letzten Jahren vor allem Abweichungen beim Fremdvergleich - bei Lizenzen und konzerninternen Kostenumlagen, etwa für Managementdienstleistungen. Hier wurden Beanstandungen seitens der Prüfer oft eher taktisch eingesetzt, denn sie führen letzten Endes oft nicht zu Mehreinnahmen für die Steuerbehörde. Auch bei lediglich formalen Mängeln wie beispielsweise unvollständigen schriftlichen Verträgen gehen die Steuerprüfer inzwischen deutlich weniger offensiv vor als früher. MB

Externe Links:

Komplette Deloitte-Umfrage als PDF-Download





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