Forscher bestätigen: Zeit macht glücklicher als Geld

Die Formel „Zeit ist Geld“ bringt Gesellschaft aus der Balance

Zeit und Glück
Sonne, Strand, ein gutes Buch: Zeit für die schönen Dinge des Lebens zu haben, gilt heute vielen als größter Luxus. (matttilda©Fotolia.de)

„Geld allein macht nicht glücklich“ - dem Sprichwort werden wohl die meisten Menschen zustimmen. Dass es stimmt, haben US-Forscher nun nachgewiesen. Demnach sind Menschen glücklicher, wenn sie Zeit für sich und andere haben, anstatt sich in die Arbeit zu stürzen, allein um Geld zu verdienen.

Denken Menschen über Zeit nach, sind sie glücklicher als andere, die an Geld denken und dadurch zur Arbeit angespornt werden. Zu diesem Fazit kommen US-Wissenschaftler von der University of Pennsylvania in der Zeitschrift „Psychological Science“. Die Studienautorin Cassie Mogilner erklärt den Mechanismus so: „Geld motiviert Menschen zu mehr Arbeit. Arbeit macht jedoch nicht immer glücklich, im Gegensatz zum Zusammensein mit geliebten Menschen. Der Gedanke an Zeit bringt das stärker ins Bewusstsein.“

In modernen Gesellschaften sei oft nur das richtige Geldausgeben und -sparen die Antwort auf die Frage, wie man glücklich wird. So werde jedoch vergessen, dass Zeit eine viel wichtigere Ressource sei. „Man sollte zwar nicht aufhören zu arbeiten, jedoch häufig daran erinnert werden, dass Freunde und Familie auch Zeit brauchen“, empfiehlt die Forscherin.

Nutzenmaximierung ist nicht nachhaltig

Dem kann der Bamberger Soziologe Fritz Reheis, Autor mehrerer Sachbücher zum Umgang mit Zeit, zustimmen: „Unsere Gesellschaft krankt daran, dass sie sich ständig nur beschleunigt. Wer sich mit Raum, Zeit und dem eigenen Leben beschäftigt, gewinnt leichter Abstand vom Alltag und erkennt besser, was wichtig ist.“ Der Neoliberalismus habe den Spruch „Zeit ist Geld“ zum Glaubenssatz nicht nur der Wirtschaft, sondern auch für das Privatleben erhoben. Der Satz stimme insofern nicht, da es nur sehr begrenzt möglich sei, Geld in Lebenszeit zu verwandeln.

Das Prinzip der Nutzenmaximierung aller habe sich als nicht nachhaltig herausgestellt: „Das sieht man in den Krisen, den sozialen Ungleichheiten und auch den ökologischen Problemen, die diese Denkweise ausgelöst hat. Nachhaltig ist erst, was wie die Natur einem Kreislauf folgt.“

Geld kann nie alles sein

Dass Geld nicht alles ist, glaubt auch Peter Heintel vom Institut für Interventionsforschung und kulturelle Nachhaltigkeit der Universität Klagenfurt: „Geld und das, was wir mit ihm erwerben können, ist für uns immer faszinierend und erstrebenswert. Doch es befriedigt unsere Sehnsüchte nie ganz.“ Höhere Dinge wie Glück oder der Sinn des Lebens erschließen sich erst durch Reflexion, die wiederum nicht ohne Pausen- und Auszeiten auskommt. „Früher gewährleisteten dies Feiertage - bedeutet doch etwa ein Gottesdienst nichts anderes als über Sinn nachzudenken. Heute haben wir diese Unterbrechungen des Alltags verloren. Erst deshalb wurden Fragen nach Sinn und Glück modern“, sagt Heintel.

Plaudern statt pauken

Im Experiment brachten die US-Forscher Studenten zunächst dazu, unbewusst an Zeit oder an Geld zu denken. Sie ließen zwei Testgruppen Wörterrätsel lösen, bei denen entweder Begriffe wie „Uhr“ und „Tag“ oder solche wie „Wohlstand“ und „Dollar“ vorkamen. Dann kam die Frage, wie man die nächsten 24 Stunden verbringen werde. Jene aus der „Zeitgruppe“ planten dabei verhältnismäßig mehr Zeit für Freunde und Familie ein, die „Geldgruppe“ mehr für Arbeit. Diejenigen, die sich mit Zeitbegriffen beschäftigt hatten, plauderten mehr mit anderen und führten eher Telefonate. Hatten sie sich zuvor mit Geldbegriffen beschäftigt, so wurde die verbleibende Zeit eher zum Studium und für Schreibaufgaben genutzt. Eine Umfrage zeigte, dass sich die Vertreter der ersten Gruppe glücklicher und zufriedener fühlten als die der zweiten. pte/MB

Links:

Homepage von Cassie Mogilner an der University of Pennsylvania (Englisch)

Artikel über die Studie im „Time Magazine“ (Englisch)

Homepage von Fritz Reheis

Uni Klagenfurt, Institut für Interventionsforschung und Kulturelle Nachhaltigkeit





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