Management-Fehler: Unternehmen sichern sich ab
Experten sehen Versicherungslücke bei kleinen Mittelständlern
Schwarze Kassen, Korruption, Veruntreuung: Dass Manager in illegale Machenschaften verstrickt sind, ist zum Glück ist die Ausnahme - dennoch kommt es vor. Für Unternehmen sollte das Grund genug sein, sich gegen das Fehlverhalten ihrer Top-Mitarbeiter abzusichern. Immer mehr tun dies mit einer sogenannten Directors & Officers-Police (D&O).
München, im Herbst 2006: Erstmals erfährt die Öffentlichkeit von dem System scheinbar systematischer Korruption und Bestechung beim deutschen Weltkonzern Siemens. Im Zuge der Ermittlungen wurden 1,3 Milliarden Euro „zweifelhafte Zahlungen“ festgestellt. Siemens selbst macht einen Schaden von mehr als zwei Milliarden Euro geltend. Jeweils 600 Millionen Euro wurden mit den amerikanischen Behörden und mit der Staatsanwaltschaft in einem Vergleich an Strafzahlungen vereinbart. Die Affäre erschüttert den Konzern bis heute, der Schaden ist immens. Das Beispiel Siemens zeigt, dass strafbares Verhalten unter Managern jederzeit und in jedem Unternehmen vorkommen kann.
Affären rütteln auf
Immer mehr Unternehmen lassen sich deshalb gegen Fehler von Managern sowie gegen Korruption, Veruntreuung und Betrug versichern. Besonders populär sind sogenannte Directors & Officers-Policen (D&O). Unter den großen mittelständischen Unternehmen in Deutschland mit 100 Millionen Euro Jahresumsatz hat bereits jedes zweite eine derartige Managerhaftpflichtversicherung - Tendenz steigend. Der D&O-Boom erklärt sich im Zuge der öffentlichen Debatten um Korruptionsaffären wie bei Siemens.
Vertrauen in eigene Kontrollmacht
Weil viele der Siemens-Manager wegen schwarzer Kassen selbst mit hohen Strafen haftbar gemacht wurden, denken viele Unternehmen nun um. „Das Interesse an Managementhaftpflichtversicherungen ist derzeit sehr groß“, sagt Diederik Sutorius, Geschäftsführer der Kölner VOV GmbH, eine auf den Bereich Managerhaftpflicht spezialisierte Versicherung.
Kleinere Unternehmen sind bei dem Thema noch zurückhaltend: Bei kleinen Mittelständlern verfügen noch immer vier von fünf über keine Art von D&O-Versicherungsschutz. Ein Grund hierfür mag sein, dass es wegen der großen Kontrollmacht der Unternehmensspitze keine Angst vor schwarzen Kassen gibt. Denn oft werden sämtliche Entscheidungen von den Inhabern selbst getroffen.
Allerdings kann auch hier eine Absicherung wichtig sein, etwa wenn wegen Nachfolgeproblemen externe Geschäftsführer eingestellt werden. Ob sich die Investition in eine Versicherung lohnt, sollte sorgfältig überlegt sein - billig sind sie nicht. „Mit einer Jahresprämie von 1000 bis 1500 Euro lassen sich Schäden von bis zu einer Million Euro absichern“, sagt Sutorius.
Es wird schneller geklagt
Speziell auf Haftungsbelange im Management ausgerichtete Policen bieten sich trotz hoher Prämien inzwischen für viele Unternehmen an. Denn die Bereitschaft von Gesellschaftern, Geschäftspartnern und Behörden, Haftpflichtansprüche vor Gericht geltend zu machen, ist in den vergangenen Jahren gestiegen, schreibt die „Financial Times Deutschland“. pte/MB
Links:
Artikel zu D&O-Versicherung in der „Financial Times Deutschland“


