Ältere Arbeitnehmer: Vorurteile bremsen Motivation
Altersdiskriminierung ist Ursache für scheinbar mangelnde Leistungsbereitschaft
„Ältere Arbeitnehmer sind unmotiviert“ - so lautet ein Vorurteil, das in deutschen Unternehmen weit verbreitet ist. Aber ist es gerechtfertigt? Eine aktuelle Studie sagt: Jein. Es bestehe kein direkter Zusammenhang zwischen dem Alter und der Leistungsbereitschaft, ältere Mitarbeiter lassen sich aber sehr wohl von den Vorurteilen ihnen gegenüber beeinflussen - was ihre Motivation indirekt sinken lässt.
Auch wenn in vielen Unternehmen eine andere Meinung vorherrscht: Das Lebensalter von Arbeitnehmern steht in keinem bedeutsamen Zusammenhang zu ihrer Motivation, im Unternehmen tatkräftig mitzuarbeiten. Älter zu sein, ist für sich genommen keine Ursache dafür, dass die Leistungsbereitschaft nachlässt und der Erfolgswille nachlässt. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaftswissenschaftlerin Tanja Rabl von der Universität Bayreuth. Als ältere Arbeitnehmer definiert die Studie Menschen zwischen 50 und 65 Jahre.
Gleichwohl weist die Forscherin einen indirekten Zusammenhang zwischen Lebensalter und Motivation nach: Wenn ältere Arbeitnehmer im Arbeitsalltag wiederholt erleben, dass sie allein wegen ihres Alters benachteiligt oder geringgeschätzt werden, verfestigt sich bei ihnen der Eindruck, dass ihre Arbeit wenig Rückhalt seitens der Unternehmensleitung genießt.
Sich selbst erfüllende Prophezeiung
Je älter die Arbeitnehmer sind, desto öfter haben sie den Eindruck, wegen ihres Alters von jüngeren Kollegen diskriminiert zu werden. Sie glauben, dass man ihnen nichts mehr zutraut, und scheuen ein offensives, erfolgsorientiertes Verhalten. In der Folge bewegen sie sich auf einer Abwärtsspirale: Die wahrgenommene Altersdiskriminierung lässt die Bereitschaft zur tatkräftigen Mitarbeit schwinden; wodurch wiederum die Wertschätzung sinkt, die ältere Mitarbeiter im Unternehmen erleben; und so wird deren Leistungsmotivation noch schwächer. Das Vorurteil „Ältere Arbeitnehmer sind unmotiviert“ wird zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Die Studie mache deutlich, wie wichtig es sei, offensiv gegen Altersdiskriminierung vorzugehen. „Je seltener ältere Mitarbeiter mit dem Vorurteil konfrontiert werden, dass sie weniger leisten können und weniger leisten wollen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich mit unverminderter Leistungsorientierung für ihr Unternehmen einsetzen“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin. Nachhaltige Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung seien deshalb ein nicht zu unterschätzendes Instrument, mit dem Unternehmen ihre Position im Wettbewerb verbessern könnten.
Ältere lassen sich seltener enttäuschen
Natürlich gewinnt nicht jeder Arbeitnehmer über 50 Jahre den Eindruck, der Arbeitgeber sei kaum noch am Erfolg seiner Arbeit interessiert. Im Gegenteil: Die Studie zeigt, dass langfristige Mitarbeit im Unternehmen durchaus das Selbstwertgefühl stärken kann. Im Vergleich mit jüngeren Kollegen haben ältere Mitarbeiter nämlich oft ein realistischeres Bild von der Zuwendung, die sie von ihrem Unternehmen erwarten können, und werden seltener enttäuscht. Sie können so eine hohe Arbeitszufriedenheit entwickeln, die dann auch ihre Leistungsmotivation stärkt. MB
Externe Links:
Lehrstuhl für Personalwesen und Führungslehre an der Universität Bayreuth


