Grippe-Epidemie 2010: Prävention schützt vor Personalausfall
Jedes zweite Unternehmen unterschätzt Geschäftsrisiko
Anfang August 2010 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die H1N1-Pandemie („Schweinegrippe“) für beendet erklärt. Nun steht der Herbst vor der Tür und Experten warnen bereits vor der nächsten weltweiten Grippewelle. Und sie raten: Unternehmen sollten sich darauf vorbereiten, um die Kosten durch Personalausfall in Grenzen zu halten.
Auch wenn die Weltgesundheitsorganisation WHO die Schweinegrippe inzwischen offiziell für beendet erklärt hat, ist die Gefahr von lokalen Epidemien keinesfalls gebannt. Auch 2010 wird es Schweinegrippe-Epidemien geben, hinzu kommt die saisonale Influenza. Viele Menschen werden also auch dieses Jahr von einer Grippe geschwächt das Bett hüten müssen und ihrem Arbeitgeber nicht zur Verfügung stehen. Für die Unternehmen sind dies angesichts der gerade wieder anziehenden Konjunktur keine positiven Aussichten - und viele wird eine Epidemie unvorbereitet treffen.
Unternehmen weiterhin zu sorglos
Eine Studie des Hamburger Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung zeigt, dass jedem zweiten Unternehmen ein wirkungsvoller Pandemieplan fehlt. Vor allem kleinere Firmen unterschätzen die Gefahr, hier sind zwei Drittel nicht vorbereitet. Dabei trifft diese krankheitsbedingter Personalausfall meist besonders hart: Das Knowhow der Mitarbeiter ist nur schwer kurzfristig zu ersetzen und Aufgaben sind nicht so einfach zu delegieren wie in einem Großkonzern, der über entsprechende finanzielle und personelle Ressourcen verfügt.
„Meine praktische Erfahrung zeigt, dass die meisten Unternehmen weiterhin zu sorglos mit dem Thema umgehen und erst im Ernstfall reagieren“, sagt Olivia Ziriakus, Geschäftsführerin der auf Hygienemanagement spezialisierten Hygenia-Net GmbH. „Doch dann kann es bereits zu spät sein. Denn sowohl die WHO als auch das Robert-Koch-Institut rechnen im Zuge der kommenden Grippesaison für den Herbst mit der nächsten pandemischen Influenza.“
Gefahr für die Konjunktur
Für jene Unternehmen, die sich noch nicht auf eine weitere Grippewelle vorbereitet haben, könnte die angekündigte Pandemie zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt kommen. Die weltweite Konjunktur zieht gerade spürbar an und so sind viele Unternehmen nach der Krise auf die volle Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter angewiesen. „Daher darf man sich gerade in Zeiten wie diesen keinen Fehler im präventiven Krisenmanagement leisten“, mahnt Ziriakus. Das ein Notfallplan Geld koste sei klar, doch das Kostenargument lässt Ziriakus nicht gelten: „Sind erst einmal wichtige Zulieferfirmen betroffen, die just in time disponieren, können schnell ganze Industriezweige lahm liegen.“
Firmen haben nichts gelernt
Obwohl Nachholbedarf besteht, ist spätestens seit dem Ausbruch der Influenza-Pandemie 2009 die Mehrheit der Firmen in Deutschland für die Risiken durch hohe Arbeitsausfälle und Umsatzeinbußen sensibilisiert. Der Erhebung zufolge sehen 70 Prozent der Fach- und Führungskräfte Grippe als bedrohlichstes Krankheitsrisiko für den eigenen Betrieb. Immerhin noch 62 Prozent der Unternehmen erachten einen Pandemieplan daher für sinnvoll - der Anteil der Betriebe, die im Ernstfall auf einen solchen zugreifen können, ist in den vergangenen Jahren jedoch nicht signifikant gestiegen.
Dabei ist es für manchen Betrieb überlebenswichtig zu wissen, ob Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten können, wie hygienische Verhältnisse im Unternehmen verbessert werden können oder was beim Ausfall wichtiger Zulieferer geschieht. Experten raten daher dringend etwa zur Ausarbeitung von Kompensationsplänen und zu frühzeitiger Kontaktaufnahme zu Zeitarbeitsfirmen. pte/MB
Externe Links:
Homepage des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung
Informationen des Robert-Koch-Instituts zur Post-Pandemie-Phase
Vorbeuge-Tipps für den Arbeitsplatz vom Bundesgesundheitsministerium



