Positive Stimmung trotz Pleitewelle im Mittelstand
2010 trifft es vor allem kleinere und mittelgroße Betriebe
Gerade haben die Wirtschaftsnachrichten die Stabilität der Konjunktur in der deutschen Wirtschaft verkündet, da dämpfen Zahlen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform die Euphorie: Im ersten Halbjahr 2010 mussten hierzulande 17.360 Unternehmen Insolvenzantrag stellen - rund sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dennoch bestehe Grund für Optimismus.
Trotz stabiler Konjunktur steigen die Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2010 mussten 17.360 Unternehmen Insolvenz anmelden, dass sind rund sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig gute Konjunktur- und steigende Insolvenzzahlen sind aber nur scheinbar ein Paradoxon. Michael Bretz, Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform, macht in einem Interview mit der Wochenzeitung „VDI nachrichten“ Hoffnung: „Die Entwicklung der Insolvenzen läuft der Wirtschaftsentwicklung immer leicht zeitversetzt hinterher.“
Die vielen Insolvenzen haben laut Bretz konkrete Ursachen: Viele Unternehmen hätten in der Krise Lagerbestände abbauen und von der finanziellen Substanz leben können, doch diese Ressourcen seien bei vielen mittelständischen Unternehmen nun aufgebraucht. Außerdem würden sich die Pleiten einiger großer Unternehmen in 2009 erst jetzt voll auf Zulieferer und kleinere Unternehmen negativ auswirken. Michael Bretz erwartet, dass die Pleitewelle noch bis zum Herbst andauert, aber insgesamt auf einem niedrigeren Niveau als noch 2009 bleibt. Wirtschaftsexperten schätzen, dass 2010 insgesamt rund 35.000 deutsche Unternehmen pleite gehen werden.
Pleitewelle könnte 155.000 Jobs kosten
Zahlen der Creditreform belegen, dass trotz der Zunahme der Insolvenzen, der wirtschaftliche Schaden mit 14,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2010 um 6,1 Milliarden Euro niedriger ausfällt als in den ersten sechs Monaten des Jahres 2009. Der Grund: Vor allem kleine mittelständische Betriebe sind vom Aus bedroht. Weil weniger Großkonzerne von Insolvenz betroffen sind, gibt es weniger Forderungsausfälle und Arbeitsplatzverluste zu beklagen. Durch die Insolvenz des Arbeitgebers sind aber immer noch die Arbeitsplätze von 155.000 Beschäftigten bedroht, im Vorjahr waren es sogar noch 254.000. Die Zahl der gefährdeten Jobs verringerte sich trotz des Anstiegs der Unternehmensinsolvenzen damit um 39 Prozent.
Die leichte Erholung der gesamtwirtschaftlichen Lage haben indes viele Unternehmen genutzt, um ihre finanziellen Reserven wieder aufzufüllen. Laut einer Creditreform-Umfrage haben rund 27 Prozent mehr als ein Drittel ihrer Bilanzsumme durch Eigenkapital finanziert, im Vorjahr waren es 23 Prozent. MB
Externe Links:
Vollständige Analyse von Creditrefom
Wochenzeitung "VDI nachrichten"


