Luxus ade! Produktfälscher bedienen Nachfrage nach Mittelklasseprodukten
Verbraucher kennen keine Hemmungen beim Imitate-Kauf
Edle Handtaschen, teure Uhren und Mode: Vor allem Luxusgüter waren bisher für Produktfälscher interessant, um mit billigen Imitaten das große Geld zu verdienen. Doch nun verlagern sie ihr Geschäft auf mittelklassige Waren. Die Verbraucher scheint's zu freuen.
Wer bislang eine Louis-Vuitton-Handtasche, eine Rolex-Uhr oder ein ähnliches Luxusprodukt mit sich herumtragen wollte, musste dafür keine Unsummen ausgeben: Ein Heer von Fälschern versorgte den Markt mit zum Teil täuschend echt wirkenden, billigen Plagiaten. Doch der Fälschermarkt befindet sich im Umbruch. Wie die New York Times berichtet, konzentrieren sich die Fälscher nun eher auf Mittelklasseprodukte statt auf Luxuswaren. Sie scheinen sich so den neuen Bedürfnissen und Gewohnheiten der Kunden und des Massenmarkts anpassen.
Fälscherparadies China
Die meisten Produkte stammen dabei nach wie vor aus der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China. Fast 80 Prozent der gefälschten Produkte, die im vergangenen Jahr beschlagnahmt wurden, stammen aus der Volksrepublik. Die dortige Schattenindustrie wurde durch die globale Wirtschaftskrise noch gestärkt: Denn der Rückgang der legalen Exporte ließ viele Fabriken brachliegen. Diese wurden schnell zu Produktionsstätten für Fälscher umfunktioniert. "Wenn es eine Nachfrage gibt, wird es auch ein Angebot geben", kommentiert John Spink von der Michigan State University die Entwicklung. Der Schwenk der Fälscher auf mittelklassige Marken passe zudem in die Zeit und mache aus marktwirtschaftlicher Sicht Sinn.
Fälschung weniger bekannter Marken
Die Kapazitäten etwa in Chinas Textilfabriken seien nicht ausgelastet gewesen und man habe nach einer Lösung gesucht, so Spink. Der Ausweg für die Fabrikbetreiber ist die Produktion weniger bekannter Marken. Diese können über das Internet einfacher und zu höheren Preisen verkauft werden als offensichtliche Fälschungen großer Marken. Zudem ist man damit offenbar weniger im Visier der Gegenmaßnahmen der Markenunternehmen, Kaufhäuser und Regierungen.
Verbraucher kaufen gerne Fälschungen
Die Verbraucher greifen bei den Plagiaten indes weiter ungerührt zu. Wie die Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz aufzeigt, wird der Kauf von Plagiaten zwar „grundsätzlich als moralisch fragwürdig angesehen“. Bei den illegalen Schnäppchen schlagen die Konsumenten trotzdem immer häufiger zu. Die oft schlechte Qualität gefälschter Produkte und eine mögliche gesetzliche Verfolgung halten Verbraucher offenbar nicht vom Plagiat-Kauf ab.
Triumph über Markenhersteller
Bekommen die Kunden die Gelegenheit zum Kauf von Imitaten, die günstiger sind als das Original-Produkt, zählt der Triumph über den Markenhersteller. Zwischen Frauen und Männern gibt es dabei übrigens keine nennenswerten Unterschiede.
Die Modeindustrie zählt zu den am stärksten von Produktpiraterie betroffenen Branchen. Von Produktpiraterie als Form der Wirtschaftskriminalität sind auch der Universität Mainz zufolge „längst nicht mehr ausschließlich hochpreisige Luxusartikel betroffen“, sondern nahezu alle Produktkategorien auf niedrigem und hohem Preisniveau. Für die Unternehmen stelle diese Entwicklung eine ernsthafte wirtschaftliche Bedrohung dar. pte/MB
Externe Links:
Aktion Plagiarius: Besonders dreiste Fälle von Ideenklau und Produktfälschung


