Argument "Made in Germany" zieht nicht mehr

In Deutschland ist das Heimat-Gütesiegel kaum noch ein Kaufanreiz

made in germany
Im Ausland sind Produkte aus Deutschland weiter stark gefragt - in Deutschland verliert das Label „Made in Germany“ an Bedeutung. (Foto: Oliver J. Graf©Fotolia.de)

Das Label „Made in Germany“ ziert fast jedes Produkt, das in Deutschland produziert wird. Als Qualitätsaussage verspricht es Wertbeständigkeit, Sicherheit und Funktionalität. Doch die Deutschen schauen heute eher auf den Preis, als auf das Herkunftsland. In allen Generationen verliert das Heimat-Siegel deshalb an Bedeutung. Im Ausland ist das anders.

Das Produktsiegel „Made in Germany“ hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Entstanden ist die Herkunftsangabe Ende des 19. Jahrhunderts. Damals begannen neben Großbritannien andere europäische Nationen ihren industriellen Aufstieg. Die Briten begannen sich gegen die Einfuhr von Waren zu schützen, vor allem gegen Importe aus Deutschland. Das Siegel „Made in Germany“ wurde 1887 eingeführt und sollte die britischen Bürger vor vermeintlich minderwertigen Produkten warnen.

Weil die Waren aus Deutschland offenbar nicht so schlecht waren wie propagiert, wurde aus „Made in Germany“ über die Jahre jedoch zum Verkaufsargument und zur Qualitätsaussage: Dieses Produkt ist deutsche Wertarbeit, der man vertrauen kann.

Wenig beachtet von jungen Deutschen

Doch nun scheint das Siegel, das so erfolgreich den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg begleitet hat, mehr und mehr an Bedeutung zu verlieren: Nur noch knapp jeder dritte Bundesbürger (30 Prozent) achtet beim Kauf auf die Herkunft der Ware. Gut 36 Prozent achten gar nicht mehr darauf, ob das gekaufte Produkt "Made in Germany" ist, 34 Prozent sind in dieser Frage unentschlossen.

Die Zahlen stammen aus einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos. Vor allem die jungen Deutschen interessieren sich nicht für das Heimat-Siegel: Für 47 Prozent der 16- bis 29-Jährigen spielt der Hinweis bei der Kaufentscheidung keine Rolle. Unter Konsumenten ab 30 Jahren achtet wiederum jeder Dritte darauf.

Unterschied zwischen Konsum- und Investitionsgütern

Wer aber glaubt, dass die Generation 50plus, die mit „Made in Germany“ quasi aufgewachsen ist, noch eine starke Bindung zum Siegel hat, täuscht sich: "Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 33 Prozent, bei den 30- bis 49-Jährigen 31 Prozent, die beim Einkauf nicht auf das Siegel achten", sagt Gudrun Witt, Division Manager Communications bei der Ipsos GmbH.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft e.V. (BVMW) bleibt angesichts der Ergebnisse gelassen und erklärt:"Natürlich ist das Siegel nach wie vor ein Garant für Qualität, das steht vollkommen außer Frage. Außerdem muss man bei dieser Frage ganz klar zwischen Konsum- und Investitionsgütern unterscheiden."

Patrioten kaufen „Made in Germany“

Die Studie sieht außerdem einen Zusammenhang zwischen Nationalstolz und dem Herkunftssiegel: 40 Prozent der Befragten gaben an stolz auf Deutschland zu sein, während 20 Prozent keinen Stolz für ihre Nation empfinden. Ebenfalls 40 Prozent können sich in dieser Frage nicht eindeutig positionieren. Die Studie zeigt allerdings: Wer stolz auf Deutschland ist, achtet auch besonders auf "Made in Germany".

Deutsche Qualität im Ausland weiter gefragt

BVMW-Präsident Mario Ohoven legt Wert darauf, dass "Made in Germany" durchaus noch eine Bedeutung hat: "Während junge Menschen eher rein finanzielle Entscheidungen treffen, schauen die über 30-Jährigen sehr viel genauer auf das Produkt. Das Siegel hat in meinen Augen nichts von seiner Zugkraft eingebüßt. Und die Nachfrage nach deutschen Produkten wird auf dem Binnen- wie auf den internationalen Märkten steigen."

Auch im Ausland ist "Made in Germany" nach wie vor ein Kaufkriterium. Deutschland ist zwar von China als Exportweltmeister abgelöst worden, doch gehört es immer noch zu den führenden Exportnationen der Welt. "Die Ipsos-Studie basiert auf einer reinen Consumer-Umfrage innerhalb Deutschlands", merkt Ohoven an. "Ich wage zu behaupten, dass der Stellenwert eines 'Made in Germany' in diesem Segment im eigenen Land schon seit Jahren weniger wert ist als im Ausland, wo deutsche Produkte ein unverändert hohes Ansehen genießen." pte/MB

Externe Links:

Homepage der Ipsos GmbH

Homepage des BVMW


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