Elternzeit: Auszeit nach der Geburt lässt Väter länger leben

Väter mit enger Bindung zum Kind achten mehr auf ihre Gesundheit

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Wenn sich der Vater nach der Geburt ums Kind kümmert, steigt seine Lebenserwartung. Das Kind lässt ihn gesünder leben, vermuten Forscher. (Foto: Günter Menzl - Fotolia.com)

Seit dem 1. Januar 2007 soll das Gesetz zu Elternzeit und Elterngeld Vätern in Deutschland es finanziell attraktiv machen, sich nach der Geburt ihres Kindes eine Auszeit zu nehmen, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Eine Studie zeigt noch einen weiteren Anreiz auf: Männer, die Vaterschaftsurlaub nutzen, leben länger als solche, die sich nur um ihre Karriere kümmern.

Väter, die nach der Geburt eines Kindes Auszeit von der Arbeit nehmen, leben länger als Väter, die durchgehend arbeiten. Das ist das Fazit einer Studie des schwedischen Karolinska-Instituts, die im Journal "Social Science and Medicine" veröffentlicht wurde. Den Wissenschaftlern der renommierten Medizin-Forschungseinrichtung zufolge zahlen sich staatliche Hilfestellungen für Männer, die ihnen ein Zuhausebleiben nach der Geburt eines Kindes ermöglichen, aus: Denn die gewonnene Lebenszeit macht den derzeitigen Rückstand in Sachen Lebenserwartung gegenüber den Frauen wieder wett.

Kinderzeit ist Lebenszeit

Die Forscher erfragten bei allen 72.569 Männern Schwedens, die in den Jahren 1988 und 1989 Väter wurden, wie lange sie nach der Geburt Urlaub genommen hatten. Diese Daten verglichen sie mit Daten zur Sterblichkeit. Das Ergebnis: Bei Vätern, die eine mehrmonatige Auszeit genommen hatten, war die Mortalität um 25 Prozent geringer als beim Rest.

In Schweden gibt es eine Regelung, ähnlich zum deutschen Elterngeldgesetz, bereits seit 1974. Schweden ist das erste Land, in dem Väter zwei bis 16 Monate bezahlten Urlaub gleich nach der Geburt eines Kindes nehmen können. In den meisten anderen Ländern Europas müssen sie sich mit ein bis zwei Tagen Sonderurlaub begnügen bzw. reguläre Urlaubstage verwenden. In Deutschland gibt es seit 2007 eine ähnliche Elternzeit- und Elterngeldregelung wie in Schweden.

Weniger Risiko, Stress und Krankheit

Die Forscher gehen davon aus, dass Männer mit enger Beziehung zur eigenen Familie mehr auf ihre eigene Gesundheit achten und weniger Risiken eingehen. Das hieße etwa, dass sie sich besser ernähren, weniger Alkohol trinken, mehr schlafen oder öfter zum Arzt gehen. Das wiederum würde auch Unternehmen in Form von gesteigerter Arbeitsleistung dienen. Möglich ist auch, dass die gemeinsame Familienzeit den Arbeitsstress und seine Folgeerscheinungen senkt. "Am wahrscheinlichsten ist, dass Männer, die diese Auszeit nehmen, von Natur aus bewusster und gesünder leben", sagt die pädagogische Psychologin Franziska Bischof-Jäggi.

Der Wert dieser Auszeit hängt sehr davon ab, wie sie gestaltet wird, so Bischof-Jäggi. Skitouren oder Golfen seien hier kaum sinnvoll, da die zentrale Aufgabe darin liege, der Mutter Hilfe zu leisten und ihr freie Momente zu ermöglichen. "Väter sollten in den ersten Tagen ganz für die Familie da sein, nachts aufstehen, das Kind wickeln und die Erfahrung der Mütter teilen, dass man den ganzen Tag beschäftigt ist ohne etwas weiter zu bringen." Das stärkt die Paarbeziehung, zudem muss sich die Mutter damit nicht ständig als Hausfrau und Mutter zugleich beweisen und eigene Bedürfnisse verdrängen.

Ein großer Teil des Beziehungsaufbaus - "Bonding" genannt - geschieht gleich nach der Geburt. Manche Väter tun sich schwer, hier aktiv zu werden. "Männer bevorzugen meist ältere Kinder, mit denen sie kuscheln, schnitzen, Fußball spielen oder ihnen die Welt erklären. Mit Neugeborenen ist noch wenig wechselseitige Kommunikation möglich." Doch auch die Familie definiert sich neu. "Die ersten sechs Wochen sind für alle Ausnahmezustand, weshalb ältere Geschwister meist noch keine Neidreaktionen zeigen. Danach findet man sich in der neuen Rolle wieder und realisiert, dass der Neuankömmling dazugehört", erklärt Bischof-Jäggi. pte/MB

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Abstract des Artikels

Karolinska Institut


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