„Social Media wird als Werbeplattform überschätzt“
Auf Facebook sei keine gezielte Markenführung möglich
Selbst Marketingexperten sind verunsichert: Was bringt die Vermarktung über das Internet wirklich? Matthias Ehrlich, Vorstand United Internet Media, warnt davor, „auf jeden Hype aufzuspringen“. Online-Werbung müsse gut durchdacht sein und die Wirkung von Werbung in klassischen Medien dürfe nicht unterschätzt werden. Onlinern muss man erfolgreiche Werbung erst noch beibringen, sagt er.
Das Werben im Netz gilt heute als unverzichtbar und hat nicht zuletzt durch den Hype rund um Social Media neue Impulse erfahren. Trotzdem wird die Werbewirkung von Online von vielen noch immer unterschätzt und das Potenzial nicht voll ausgeschöpft, sagt Matthias Ehrlich, Vorstand der United Internet Media. Er warnt gleichzeitig davor, „Hypes blind hinterher zu rennen“.
Laut Ehrlich gibt es kein Patentrezept dafür, wie man im Netz richtig wirbt. „Was man jedenfalls vermeiden sollte, sind falsche Berührungsängste“, so der Experte, das hemme nur die Entwicklung. „Heute muss jeder Marketingverantwortliche Online lernen und verstehen, damit er Online und klassischen Themen verknüpfen kann. Es gilt, selbstbewusst aus der klassischen Werbung heraus zu denken und sich das Medium dafür zunutze zu machen.“ So lasse sich die klassische AIDA-Werbeformel (AIDA: Attention, Interest, Desire, Action) auch im Web anwenden.
„Facebook-Fanseiten werden maßlos überschätzt“
„Es geht nicht mehr um die Frage, ob Onlinewerbung bedeutend ist, sondern wie bedeutend sie ist“, betont Ehrlich. Es gebe Bereiche, in denen klassische Onlinewerbung schlecht funktioniert. In sozialen Netzwerken werde selten ein konkretes Thema verfolgt. „In einer Welt, wo hauptsächlich 'gequatscht' wird, ist keine gezielte Markenführung möglich. Facebook-Fanseiten und Co. werden maßlos überschätzt“, zeigt sich Ehrlich überzeugt. Kaum jemand wolle sich dort ernsthaft mit einem Produkt oder einer Marke auseinandersetzen. „Als Markenverantwortlicher muss man Millionen Menschen ansprechen, da reicht es nicht, 5000 Leute auf einer Fanseite zu haben.“
Werbung und Marketing im Social-Media-Umfeld gehöre heute aber dazu und das sei auch gut so, ergänzt Ehrlich. „Es geht um einen Lernprozess. Es kann zum Beispiel sein, dass sich Facebook als eine Art 'Landing-Page' in Ergänzung zu klassischen Firmenseiten etabliert.“ Dabei werde aber nicht auf Facebook geworben, sondern das Social Network in seiner Funktion als anerkannte Website als ergänzende Marketingseite genutzt.
Klassische Werber haben zu wenig Selbstbewusstsein
„Die Professionalisierung wird oft dadurch behindert, dass man meint, auf den neuesten Hype aufspringen zu müssen“, sagt Ehrlich. „Immer werden die neuesten, tollsten Sachen diskutiert, anstatt sich weiterhin mit Sorgfalt auch um die klassischen Medien zu kümmern.“ Die klassischen Medien sollten nach Ansicht von Ehrlich so weiter machen wie bisher - nur ergänzt um eine neue Gattung. „Ich stelle immer wieder fest, dass die klassischen Werber viel zu wenig Selbstbewusstsein haben, dabei haben doch sie die Werbung 'gelernt'. Eigentlich sind die Onliner diejenigen, denen man Werbung noch beibringen muss“, sagt Ehrlich.
Klar ist für den Fachmann, dass Online zurzeit als Ergänzung zu betrachten ist. Natürlich sei es möglich, dass Online eines Tages mehr werden kann als eine reine Ergänzung, dafür gebe es genügend Anzeichen. Denn, so Ehrlich, man sollte wissen, dass man im Web im Prinzip jedes klassische Werbeziel abbilden kann. ZU
Externe Links:
Homepage der United Internet Media AG


