Bürogemeinschaften für Freiberufler: Coworking-Spaces boomen
Zahl der Freiberufler steigt - und damit der Bedarf an flexibel anmietbaren Arbeitsplätzen
In vielen Großstädten Deutschlands etablieren sich sogenannte Coworking-Spaces - Großraumbüros oder Büroetagen, in denen Arbeitsplätze für Jahre, für nur einen Monat oder auch nur für einen Tag gemietet werden können. Internet, Kaffeemaschine und Konferenzräume werden geteilt. Gerade für Freiberufler, die nicht jeden Tag ein Büro brauchen, bieten die Büro-WGs oft Vorteile.
Das Konzept der Wohngemeinschaft funktioniert seit vielen Jahrzehnten: Billiger wohnen, weil teure Infrastruktur geteilt wird, manchmal sogar schöner wohnen, wenn die WG-Mitbewohner sich gut verstehen. Warum sollte das Ganze nicht auch in der Arbeitswelt funktionieren? In sogenannten Coworking-Spaces, zu Deutsch etwa Bürogemeinschaften, stehen Schreibtische und Computer zum Mieten bereit, die Kaffeemaschine und Konferenzräume werden geteilt.
Die Zahl der Freiberufler, die ihr Büro aus terminlichen Gründen nur gelegentlich nutzen und deshalb auf das Coworking-Space-Prinzip zurückgreifen, steigt. Sie sparen damit Mietkosten und sind flexibler, weil sie keine langen Mietverträge eingehen. Auch das tage- oder sogar stundenweise Anmieten eines Arbeitsplatzes ist in vielen Coworking-Spaces möglich.
„Tiefgreifende Veränderung am Arbeitsmarkt“
Das Geschäftsmodell boomt. Das hängt wohl auch mit der steigenden Zahl von Freiberuflern zusammen. Einer Studie des Instituts für Freie Berufe zufolge arbeiten in Deutschland eine Million Menschen freiberuflich - Tendenz steigend.
"Die Philosophie des Coworkings hat enormes Potenzial und wird sich allein schon aufgrund der tiefgreifenden Veränderungen am Arbeitsmarkt durchsetzen", sagt Jens Hansen, Geschäftsführer des gleichnamigen Beratungsunternehmens. Dem Experten zufolge, der außerdem Initiator des am 1. Juli 2010 startenden Projekts "Coworking Space Hannover" ist, spart das Konzept vor allem Kosten. Andererseits bietet es soziale Kontakte und fördert im Idealfall auch die Kreativität.
Der Markt für Coworking-Projekte wächst kontinuierlich. Bereits beinahe in jeder deutschen Großstadt gibt es mehrere Coworking-Spaces. "Vielleicht auch deshalb, weil der Markt auf das Konzept gewartet hat", sagt Hansen. Unter dem Namen "Studio 70" verfolgt zum Beispiel Sebastian Sooth in Berlin ein solches Vorhaben. Von psychologischem Vorteil sei, dass Menschen, die ausschließlich vom Home Office aus arbeiten, durch Coworking nicht nur neue Leute kennenlernen, sondern auch das Private von der Arbeit trennen können.
250 bis 350 Euro Miete im Monat
Zur guten Work-Life-Balance tragen außerdem die vielerorts beschränkten Öffnungszeiten von neun bis 19 Uhr bei. Weitere Vorteile ergeben sich aus der Nutzungsoption, Briefkästen zu mieten. Denn lässt sich eine Büroinfrastruktur für Existenzgründer unkompliziert und schnell bewerkstelligen, dann steigt auch der Mut, sich selbstständig zu machen, so Hansen. Die verhältnismäßig geringen Preise sind verlockend. Wer öfter mietet, dem wird in der Regel ein Rabatt gewährt.
Ein Tipp: Der bundesweite Preisvergleich für Monatsmieten lohnt sich. Je nach Anbieter und Stadtlage variieren die Preise zwischen 250 bis 350 Euro im Monat. „Studio 70“-Betreiber Sooth hat eigens für diesen Zweck die Internetseite hallenprojekt.de ins Leben gerufen. Dort sind etliche Spaces in Deutschland und Österreich sowie den dort eingemieteten Coworkern gelistet. Auch lässt sich erkennen, an welchen Projekten die "Teamkollegen" gerade arbeiten. pte/ZU
Externe Links:
hallenprojekt.de: Coworking-Netzwerk mit Angeboten für Deutschland und Österreich


