Kreditklemme lässt Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigen
Nicht-Bezahlen von Rechnungen fördert Pleiten
Anhaltende Finanzierungsprobleme in der Wirtschaft sowie die schwache Konjunktur lassen die Zahl der Firmeninsolvenzen steigen: In diesem Jahr rechnet der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen mit bis zu 36.000 Fällen. Das wären fast zehn Prozent mehr als im Jahr 2009 (32.687). Laut Experten werden wohl auch mehr Privathaushalte zahlungsunfähig werden.
Zurückgezogene Aufträge, nicht bewilligte Kredite, aufgebrauchte Eigenkapital-Reserven: Die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen haben im Vorjahr Tausende Unternehmen in die Insolvenz getrieben. 2010 werden es wohl noch mehr sein. Der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) rechnet mit einer deutlichen Zunahme an Firmeninsolvenzen. Der BDIU geht von einem Anstieg der Unternehmensinsolvenzen auf bis zu 36.000 Fälle aus. Im Vorjahr waren 32.687 Pleiten verzeichnet worden. Anfang Juni hat das Statistische Bundesamt für das erste Quartal 8230 Unternehmensinsolvenzen gemeldet - dies entspricht einem Anstieg um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
„Viele Kunden zögern aktuell das Bezahlen von Rechnungen immer weiter hinaus und gefährden so die Liquidität insbesondere der bereits von der Rezession des vergangenen Jahres betroffenen Unternehmen“, sagt BDIU-Präsident Wolfgang Spitz, „hinzu kommt, dass viele Firmen Schwierigkeiten haben, am Kapitalmarkt Geld zu bekommen, das sie brauchen, um zum Beispiel Betriebsmittel zu finanzieren.“
Gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Auch Michael Bretz, Sprecher der Wirtschaftsauskunftei Creditreform, sieht in der Zurückhaltung der Kreditgeber einen Hauptgrund für die Misere: "Die Finanzierungssituation bei Banken lässt die Zahl an Insolvenzen steigen."
Tendenz zu mehr Privatinsolvenzen
In einer Umfrage hatten jüngst 48 Prozent der befragten Inkassounternehmen im BDIU gemeldet, dass sich das Zahlungsverhalten gewerblicher Kunden in Deutschland innerhalb des vergangenen halben Jahres verschlechtert habe. 77 Prozent der Inkassofirmen haben festgestellt, dass gewerbliche Schuldner wegen hoher Zahlungsausfälle durch eigene Kunden nicht zahlen könnten. 69 Prozent berichteten zudem von einem aktuellen Liquiditätsengpass gewerblicher Schuldner, 68 Prozent haben eine aktuell schlechte Auftragslage beobachtet.
Gründe, warum Verbraucher Rechnungen nicht bezahlen, sind Überschuldung (90 Prozent der Inkassounternehmen machten eine entsprechende Angabe) und Arbeitslosigkeit (82 Prozent). Für Michael Bretz ist angesichts der Überschuldung von Haushalten eine "Tendenz zu einer weiter steigenden Zahl von Privatinsolvenzen" erkennbar.pte/MB
Externe Links:
Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU)
Verband der Vereine Creditreform


