Marktführer hängen Verfolger in der Krise ab
Fokus auf Kernkompetenzen bringt langfristig Erfolg
Wer in seiner Branche Marktführer ist, hat die besten Chancen wirtschaftlich erfolgreich durch die Krise zu kommen. Die Konzentration auf das Kerngeschäft und die Kenntnisse über den Markt helfen offenbar, Fehler etwa bei Investitionen und Wachstum zu vermeiden. Unternehmen aus der zweiten Reihe tun sich dagegen schwerer, so eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company.
Die Unternehmensberatung Bain & Company hat über 2000 Unternehmen in zwölf Industrie- und Schwellenländern über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. Die Studie offenbart: Die großen Gewinner der Krise sind in ihrem Arbeitsbereich Marktführer. Die Quote der aktuell erfolgreichen Unternehmen aber sehr niedrig: Nur eines von zehn Unternehmen wachse nachhaltig profitabel, konnte im Untersuchungszeitraum ein durchschnittliches Jahresumsatz- und Ertragswachstum von inflationsbereinigt 5,5 Prozent verbuchen. 95 Prozent dieser Unternehmen gehören in ihrem Kerngeschäft zu den Marktführern. Die Studie schließt daraus, dass diese Firmen gegenüber der Konkurrenz in der Krisenzeit deutlich Boden gut machen konnten.
Falsche Investitionen bremsen Erfolg
Die Marktführer haben in den vergangenen Monaten nur halb so viel an Wert eingebüßt wie ihre Mitstreiter. Laut der Studie erzielen sie beinahe doppelt so hohe Kapitalrenditen und ein dreimal stärkeres Wachstum in angrenzenden Geschäftsfeldern als ihre Verfolger. Diese investieren Bain & Company zufolge häufig in falsche Märkte oder schwache Geschäftsbereiche, statt sich auf die wesentlichen Kernfelder zu konzentrieren. Gewinnmargen schwanken bei den Nachzüglern daher zwei- bis fünfmal stärker als bei den Spitzenreitern einer Branche.
Wirtschaftliches Umfeld bleibt schwierig
Ein Fazit der Studie: Im bevorstehenden Jahrzehnt des langsamen Wachstums mit eventuell fundamentalen Veränderungen in der Wirtschafts- und Finanzwelt macht die klare Definition des Kerngeschäfts den Unterschied aus zwischen Erfolg und Misserfolg. Das wirtschaftliche Umfeld bleibe selbst für die besten Unternehmen und ihre nachhaltigen Wachstumsziele schwierig.
Nur behutsam expandieren
Nach Meinung der Experten hat derjenige Erfolg, der behutsam in eng benachbarte Geschäftsfelder expandiert. Das Kerngeschäft werde zudem nur neu definiert, wenn es der Markt erfordere. "Die Erfolgschancen von Unternehmen, die auf neue, ihnen völlig unbekannte Märkte drängen, sind sehr gering", sagt Bain-Managing-Director Rolf-Magnus Weddigen. „Marktführer zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie sich auf eine nachhaltige Wertschöpfung konzentrieren. Sie können ihre Marktstellung oft dadurch behaupten und weiter ausbauen, dass sie konsequent das volle Potenzial ihres Kerngeschäfts ausschöpfen und Wachstumserfolgsrezepten folgen, die sich schon in der Vergangenheit bewährt haben.“
Der Kern des Erfolgs
Was der Kern des Unternehmenserfolgs ist, definiert Bain übrigens ganz unterschiedlich. Bei 60 Prozent der nachhaltig starken Konzerne, darunter etwa Wal-Mart oder Ikea, basiere der Erfolg im Vergleich mit den Konkurrenten auf einer besseren Kostenposition. 30 Prozent, darunter etwa Apple, können ihre Wettbewerbsvorteile auf die Differenzierung der eigenen Produkt- und Servicepalette zurückführen. Bei den restlichen Marktführern wie Microsoft oder Google ist ein entsprechend hoher Brancheneinfluss die Ursache für Erfolg in der Krise. pte/MB
Externe Links:
Homepage der Beratungsgesellschaft Bain & Company
Bain-Studie im Buch „Profit from the core: A return to growth in turbulent times“ (bei amazon.de)


