Projektmanagement-Schulungen: Warum sie oft nichts bringen

Ohne Praxisbezug gibt es keine nachhaltige Verbesserung

schulung
Schulungen mögen lehrreich sein, erfolgreich sind sie erst, wenn die Theorie in die Praxis übertragen wird. (Foto: Dmitry Goygel-Sokol©Fotolia.de)

Mitarbeiter in Projektmanagement-Schulungen zu schicken, ist ein beliebtes Mittel um eingefahrene Workflow-Strukturen aufzubrechen und effizientere Arbeitsweisen zu etablieren. Doch oft können die Crash-Seminare das Denken und Handeln nicht nachhaltig verändern, weil der Praxisbezug fehlt. FirmenWissen verrät, was eine wirkungsvolle Schulung ausmacht.

Schulungen zur Optimierung des Projektmanagements werden von Unternehmen gerne und regelmäßig gebucht, um frischen Wind in die Arbeitsabläufe zu bringen und die Mitarbeiter neu zu motivieren. Doch meist bleibt dies eine Aktion für den Augenblick, das Gelernte versickert ungenutzt im Arbeitsalltag, ohne eine nachhaltige Wirkung zu entfalten.

Kehren die Mitarbeiter aus der teuer bezahlten Schulung zurück, haben sie zwar verstanden, wie Projektmanagement idealerweise abläuft - doch wie sie dieses Wissen im Alltag anwenden sollen, bleibt ihnen meist unklar. Kein Wunder: Die Umsetzung der Theorie in die Praxis ist aufwendig und kann in den Kurz-Seminaren selten ausreichend behandelt werden. Am Ende fallen alle in die alten Strukturen zurück und Probleme bleiben ungelöst. Management-Methoden sollten deshalb als praxisnahe Werkzeuge vermittelt und verstanden werden, nicht nur als reiner Lernstoff.

Allheilmittel gibt es nicht

Mit der Einführung von Best-Practice-Methoden für das Projektmanagement wurde die Projektarbeit in Deutschland einst revolutioniert. Doch die Programme wirken nur selten wie eine Tablette, die man einwirft und dann auf Wirkung hofft. Schulungen, die diese oder jene Projektmanagement-Methode als Allheilmittel anpreisen, greifen zu kurz: Eine Schulung kann höchstens der Auftakt, aber niemals der Schlusspunkt einer erfolgreichen Methoden-Implementierung sein. Auch die Personal- und Organisationsstruktur sowie die Firmenphilosophie sollten in die Umsetzung mit einfließen, damit diese von den Mitarbeitern erfolgreich umgesetzt werden können.

Die kleinen Dinge verändern

Viele Probleme im Projektmanagement werden über Jahre nicht beseitigt, obwohl sie für alle Beteiligten offensichtlich sind. Ein Grund: Die Schuld wird delegiert, an Menschen, an Prozesse, an Strukturen. Eine gute Schulung sollte deshalb an die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter appellieren. Dabei sollte auch ausgelotet werden, wo eventuelle Potentiale im Unternehmen versteckt liegen.

Häufig lassen sich so mit wenigen, einfachen Maßnahmen Prozesse und Strukturen preiswert optimieren. So wird ein Projektmanager, der viel von seiner Materie, jedoch wenig von Personalführung versteht, seine Ideen und Konzepte nicht optimal im Projektteam durchsetzen können. Hier könnte ein Kurs in Menschenführung also mehr nutzen, als ein weiterer Kurs im Projektmanagement

Fazit: Standardlösungen greifen zu kurz

Auch wenn es sich vielleicht viele Unternehmen wünschen würden: Arbeitsmethoden lassen sich in vielen Fällen nicht standardisieren. Mit standardisierten Vorgehensweisen können auch nur standardisierte Probleme gelöst werden. Die jeweils gewählte Methode ist immer nur ein relativ kleiner Baustein des Gesamtsystems. Schulungen eignen sich bestens, um den Grundstein für den erfolgreichen Einsatz einer Management-Methode zu legen. Doch sie sind rausgeschmissenes Geld, wenn das Hauptaugenmerk nicht auf individuelle Handlungskonzepte und die Menschen gelegt wird, die die Methoden im Unternehmen zur Anwendung bringen.

Tipps für eine gelungene Schulung

Darauf sollten Unternehmen bei der Buchung von Schulungen zum Thema Projektmanagement besonders achten:

  • Beschäftigt sich die Schulung auch mit der praktischen Methodenumsetzung? Wird gegebenenfalls angeboten, firmeneigene Projektfälle innerhalb der Schulung zu integrieren?
  • Aus welchem Bereich kommen die Referenten? Sind es erfahrene Praktiker oder liegen ihre Wurzeln eher im theoretischen Lehren?
  • Wie übergreifend ist das Beratungs- und Trainingsangebot des Schulungsanbieters? Die Fixierung auf Management-Methoden ohne Berücksichtigung elementarer Führungs- und Kommunikation-Fähigkeiten setzt dem Ausbildungsniveau enge Grenzen.
  • Die Größe der Teilnehmergruppe innerhalb einer Schulung sollte sich nach der Struktur der des Unternehmens bzw. der Abteilung richten, nicht nach den Vorgaben des Anbieters.
  • Wie hoch ist der Individualisierungsgrad bei den Schulungen? Bei Bedarf sind alternative (zielgruppengerechtere, ortsgebundene, themenzentrierte) Schulungs- oder Beratungsformen sinnvoll.

MB


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