Produktpiraterie: Prävention ist der beste Schutz

Schützenhilfe kommt von Verbänden und öffentlichen Stellen

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Beim Angriff auf das Firmen-Know-how nutzen Produktpiraten Schwachstellen in der IT-Struktur oder sie heuern meuternde Mitarbeiter an. (Foto: oriori©Fotolia.de)

Motorsäge, Thermoskanne, Schweißroboter: Es gibt so gut wie kein Produkt oder Ersatzteil, dass nicht auch als Fälschung auf dem Weltmarkt erhältlich ist. Die deutsche Industrie erleidet aufgrund von Produktpiraterie jährlich Milliardenverluste. Betroffen sind nicht nur Großunternehmen, sondern auch die kleineren und mittelgroßen Betriebe. Für alle gilt: Angriff ist die beste Verteidigung.

Im März 2010 startete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) unter 326 seiner Mitglieder eine Umfrage, das Ergebnis: Knapp zwei Drittel der VDMA-Mitglieder sind von Produkt- oder Markenpiraterie betroffen. Dem deutschen Maschinenbau entstehen jährlich Verluste in geschätzter Höhe von 6,4 Milliarden Euro. Auch laut der aktuellen Studie „Know-how-Schutz in Baden-Württemberg“, herausgegeben vom Sicherheitsforum Baden-Württemberg, waren in den vergangenen vier Jahren über 60 Prozent der forschungsintensiven Unternehmen mindestens von einem eindeutigen Fall von Verstößen gegen Patent- und Markenrechte oder Gebrauchs- und Geschmacksmusterrechte betroffen (siehe externer Link). Außerdem wurde jedes vierte forschungsintensive Unternehmen Opfer von Spionage bzw. unfreiwilligem Informationsabfluss.

Handeln, bevor es zu spät ist

Dabei sind nicht nur die großen Unternehmen von Spionage- und Ausspähungsangriffen betroffen. Ziel sind oftmals gerade kleine und mittlere Unternehmen mit hoher technologischer Kompetenz, die aber nicht über geeignete Sicherungsvorkehrungen gegen Angriffe von innen und von außen verfügen.

Bei ihrer Abwehrstrategie vertrauen die Firmen mittlerweile weniger auf Schutzrechte, die in vielen Staaten ohnehin nur schwer durchzusetzen sind. Die beste Möglichkeit der deutschen Industrie, sich gegen die Produktpiraten zur Wehr zu setzen ist die Prävention. "Die Unternehmen wollen nicht mit den Abwehrmaßnahmen warten, bis etwas passiert ist", sagt Rainer Glatz, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Knowhow-Schutz im VDMA.

Maßnahmen oft noch lückenhaft

Doch insgesamt wird noch zu wenig getan, so die SiFo-Studie 2009/2010: Obgleich die meisten Unternehmen das Risiko, in den kommenden Jahren Opfer von Produkt- und Markenpiraten oder Industrie- und Wirtschaftsspionen zu werden als hoch einschätzen, planen die wenigsten Unternehmen einen Ausbau ihrer Sicherheitsstandards. Dabei sind die bisherigen Maßnahmen zum Schutz der Gebäude- und IT-Sicherheit oft noch lückenhaft.

Täter aus den eigenen Reihen

So verschlüsselt nur etwas mehr als die Hälfte der forschungsintensiven Unternehmen ihre Daten, Datennetze und den E-Mail-Verkehr. Unterschätzt werden vor allem die Risiken, die von Unternehmensangehörigen und Geschäftspartnern ausgehen: Laut Studie kamen über 70 Prozent der Wirtschaftsstraftäter aus dem geschädigten Unternehmen. In fast jedem fünften Fall waren Topmanager beteiligt, in nahezu jedem dritten Fall ein Mitarbeiter aus dem mittleren Management.

Im Durchschnitt gehörten sie dem Unternehmen seit zehn Jahren an, waren etwa 40 Jahre alt und überdurchschnittlich gebildet. Externe Täter hatten eine durchschnittlich sechsjährige Geschäftsverbindung zum geschädigten Unternehmen. Ausländische Nachrichtendienste spielen in der Studie, die überwiegend kleine und mittlere Unternehmen erfasst, mit sechs Prozent nur eine untergeordnete Rolle. Die durchschnittliche Schadenshöhe beträgt bei den befragten baden-württembergischen Unternehmen rund 365.000 Euro.

Prävention beginnt im eigenen Unternehmen

Zu den vorbeugenden Maßnahmen gehört etwa die strikte Geheimhaltung bei Planung, Entwicklung und Produktion oder die Etablierung von Schutzmechanismen in der Unternehmens-IT sowie in den Produkten selbst. Wichtig sind auch Schulungen zur Sensibilisierung der Mitarbeiter, die Einrichtung eines Hinweisgebersystems, Risikoanalysen von Geschäftspartnern und Risiko- und Schwachstellenanalysen im eigenen Unternehmen.

Kostenlose Handlungsempfehlungen

Das Sicherheitsforum Baden-Württemberg hat neben der SiFo-Studie 2009/2010 ergänzend die kostenlose Broschüre „Handlungsempfehlungen für Unternehmen“ herausgegeben (siehe externer Link). Auf 44 Seiten erhalten Unternehmen hilfreiche Hinweise zum Risiko- und Personalmanagement oder den Umgang mit externen Partnern. Auch Branchenverbände wie der VDI oder der VDMA bieten ihren Mitgliedern Hilfestellungen, in Form von Seminaren und Richtlinien an. Hinzu kommt die Forschung nach technischen Möglichkeiten Unternehmen von den Folgen der Produktpiraterie zu schützen (siehe externer Link). MB

Externe Links:

Initiativen gegen Produktpiraterie und Ansprechpartner beim VDMA

SiFo-Studie 2009/2010, kostenloser PDF-Download

Ergänzung zur SiFo-Studie 2009/2010, Handlungsempfehlungen für Unternehmen, kostenloser PDF-Download


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