Gründungen aus Arbeitslosigkeit erfolgreicher als gedacht

Misstrauen gegenüber Existenzgründern ist meist unangebracht

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Letzter Ausweg Unternehmens- gründung: Die von Arbeitslosen gegründeten Unternehmen spielen mittlerweile eine wichtige Rolle in der deutschen Wirtschaft. (Foto: openeye©Fotolia.de)

Viele Arbeitslose stehen vor der Wahl, das berufliche Glück in einem neuen Job oder in der Selbständigkeit zu suchen. Eine Studie zeigt nun: Unternehmensgründungen aus der Arbeitslosigkeit sind viel erfolgreicher als bisher angenommen. Entscheidend für den Erfolg der Start-Ups aus dem Nichts sei vor allem die Motivation zur Gründung.

Gründen Menschen aus der Arbeitslosigkeit heraus ein Unternehmen, begegnet ihnen die Wirtschaft, etwa Kreditgeber und mögliche Geschäftspartner, oft kritisch. Die Sorge ist groß, dass die auch als „Notgründungen“ titulierten Start-Ups aufgrund kaufmännischer Unerfahrenheit oder mangelnder finanzieller Substanz keine verlässlichen Geschäftspartner seien und nur geringe Chancen hätten, am Markt zu überleben. Dies macht vielen Gründern zu schaffen, vor allem wenn es um die Akquise von Neukunden und Aufträgen geht. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) zeigt nun, dass Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus erfolgreicher sind, als ihnen nachgesagt wird.

Nur wenige gründen aus blanker Not

Auf Basis einer telefonischen Befragung von vorher arbeitslosen Existenzgründern wurde in der Studie der Zusammenhang zwischen unternehmerischem Erfolg und den Gründen für den Schritt in die Selbständigkeit untersucht. Entscheidend für den unternehmerischen Erfolg sind demnach vor allem die Motive, die zu Gründungen aus der Arbeitslosigkeit führen. Dabei sind reine Notgründungen aus der Perspektivlosigkeit weniger erfolgreich als andere, sie stellen außerdem den kleinsten Teil. „Nur zwölf Prozent der Arbeitslosen machen reine Notgründungen“, erklärt Alexander Kritikos vom DIW.

Engagierte Gründer schaffen Arbeitsplätze

Die meisten Gründer aus Arbeitslosigkeit, nämlich 72 Prozent, aber treibt mehr als die Not. „Bei den meisten sehen wir eine Mischung aus zwei Motiven“, sagt Kritikos. Natürlich wollte die Mehrzahl auch nur ihre Arbeitslosigkeit beenden - dazu käme aber oft die Entdeckung einer Marktlücke oder der Wunsch, sein eigener Chef sein zu wollen. Die Studie zeigt deutlich, dass derartig gemischt motivierte Selbstständige erfolgreicher sind als reine Notgründer, weil sie in der Regel motivierter, zielorientierter und kreativer zu Werke gehen. Noch erfolgreicher sind nur die sogenannten Opportunity Entrepreneure, die sich fast ausschließlich aus eigener Motivation für die Selbständigkeit entschieden hätten, sie stellen 16 Prozent der Gründertypen. Der Erfolgshunger der Existenzgründer spiegelt sich auch auf dem Arbeitsmarkt wider: Die Selbständigen sind so erfolgreich, dass etwa 40 Prozent auch anderen Menschen Arbeit geben.

Etablierter Wirtschaftsfaktor

2006 gab es in Deutschland etwa 150.000 staatlich geförderte Gründungen. „Gut zwei Drittel von ihnen sind auch rund fünf Jahre nach der Gründung noch im Geschäft, nur zehn Prozent sind wieder arbeitslos“, sagt Marco Caliendo vom IZA. Weitere 20 Prozent hätten wieder in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gewechselt. Die Selbstständigen aus Arbeitslosigkeit sind damit mittlerweile ein eigener und ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor in Deutschland geworden, den etablierte Unternehmen auf dem Markt nicht mehr ignorieren können und sollten. MB

Externe Links:

Studie zu Erfolgskriterien für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit (PDF-Download):


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