Denglisch: Deutsche Begriffe sind oft besser - aber nicht immer
Unternehmen sollten englische Begriffe behutsam einsetzen
Bei der Bahn heißt der Informationsschalter "Service Point", an der "Hotline" bekommt der Kunde Rat, im "DB Mobility Center" gibt es Auskunft und Fahrscheine. Englische Begriffe sind häufig überflüssig. Jedoch nicht immer. Eine deutsche, verständliche Übersetzung für "MP3-Player" gibt es einfach nicht. Es kommt auf den richtigen Einsatz englischer Begriffe an.
Peter Ramsauer hat in seinem Bundesverkehrsministerium Anglizismen den Kampf angesagt: Es heißt jetzt wieder "Reisestelle" statt „Travel Management“ und „hauseigene Seminare“ statt „Inhouse Meetings“. „Ich will, dass im Haus wieder mehr deutsch gesprochen wird“, sagt Ramsauer. Seine Aktivitäten, die deutsche Sprache im Ministerium zu fördern, sind wohl auch eine Reaktion auf die seit Jahren zunehmende Ausbreitung englischer Begriffe in der Öffentlichkeit, in öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen.
Botschaften müssen ankommen
Experten raten Organisationen und Unternehmen aber dazu, nicht in das gegenteilige Extrem zu verfallen - also alle englischen Begriffe wieder durch deutsche zu ersetzen. Höchste Priorität hat vor allem die Verständlichkeit, und die kann manchmal mit einem englischen Begriff höher sein als mit einem deutschen. Kommunikationsverantwortliche in Unternehmen müssen deshalb im Einzelfall abwägen, welcher Begriff im konkreten Zusammenhang den gewünschten Zweck besser erfüllt.
Im Einzelfall entscheiden
Laut Markus Nickl, Chef der Sprachberatungsgesellschaft Doctima in Erlangen gehe es "nicht um eine pure Abwehrhaltung gegen Fremdwörter, sondern um Verständlichkeit". Ein "Sale" in einem Geschäft für "Kids" sei angebracht, ein auf Seriosität und Stil bedachter Herrenausstatter sollte es sich aber lieber zweimal überlegen, bevor er so für seine Angebote wirbt. Wer MP3-Player verkauft, sollte sie in seinem Online-Shop auch so nennen - mit einer schlechten Lehnübersetzung wäre weder den suchenden Kunden noch dem Umsatz gedient. Ein im Bundesverkehrsministerium erarbeiteter „Masterplan Güterverkehr und Logistik“ bringe die Sache eher auf den Punkt als eine deutsche, dafür aber behördensprachliche Formulierung. Das englische "Ticket" hat dagegen keine Vorteile gegenüber der deutschen "Fahrkarte".
Das Denglische hat seine Grenzen. Nickl warnt davor, mit englischen Begriffen alltägliche Begrifflichkeiten trendig und pseudo-modern zu überschminken, im Irr-Glauben, damit etwas aufwerten zu können oder sich ein besonders positives Image zu schaffen: „Der Kunde fühlt sich nur akzeptiert, wenn er sich verstanden fühlt. Dafür ist eine gemeinsame Sprache nötig.“ Missverständlich und ärgerlich sind englische Einsprengsel vor allem in Gebrauchstexten, sie sollten deshalb in Angeboten, Informationsschriften und Handbüchern vermieden werden.
Richtiger Umgang mit englischen Begriffen
Für den Umgang mit englischen Begrifflichkeiten in der Unternehmenskommunikation hat das Unternehmen für Sprachberatung Doctima fünf Grundregeln aufgestellt:
- Gibt es für einen Anglizismus eine kurze und gut klingende deutsche Entsprechung, ist Denglisch überflüssig. Eine freundliche „Einladung zum Mittagessen“ wird genauso gerne angenommen wie die „Invitation zum Business Lunch“.
- Qualitätsjournalismus als Vorbild: Wie viele englische Fachbegriffe einem Leser zuzumuten sind, hängt von seinen Vorkenntnissen ab. Die Presse macht dies richtig: Tageszeitungen und Fernsehnachrichten kommen ohne Anglizismen aus. In Fachblättern sind eingeführte Begriffe erlaubt, weil sie dem Erfahrungshorizont des Lesers entsprechen.
- Englisch ist plakativ. Der Umkehrschluss: Je länger und sachlicher ein Text, desto weniger Anglizismen sollten verwendet werden.
- Kein Anglizismus ohne Erklärung: Die „Flatrate“ mag für viele ein etablierter Begriff sein, er bleibt aber dennoch für viele ohne den Zusatz „Telefonieren und Internet zum Festpreis“ unverständlich. Positiver Nebeneffekt: Wer im Deutschen eine Erklärung nachliefern muss, kann meist gleich ganz auf den Anglizismus verzichten.
- Vorsicht vor „false friends“: Viele englische Begriffe klingen nah am Deutschen, bedeuten aber etwas ganz anderes, zum Beispiel „Argument“ oder „Under-Secretary of State“. Falls man sich nicht ganz sicher ist über die Bedeutung dessen, was man da schreibt: Im Wörterbuch nachschlagen.
ZU
Externe Links:
Homepage der Sprachberatungs-Agentur Doctima
Weiterführende Links auf der Homepage der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS)


