Web 2.0 spielt bei Job- und Mitarbeitersuche keine Rolle

Klassische Stellenanzeigen, Google und Firmen-Websites sind beliebteste Informationsquellen


Der gute alte Stellenmarkt in der Zeitung hat langsam ausgedient. Stattdessen kommen Jobsuchende und Arbeitgeber online zusammen. (Foto: mattilda©fotolia.de)

Studien zeigen: Bei der Suche nach Jobs beziehungsweise Mitarbeitern spielen soziale Medien so gut wie keine Rolle. Klassische Internetstellenbörsen und Google sind die meist genutzten Werkzeuge für Arbeitgeber, um Mitarbeiter und Informationen über sie zu finden. Auch Jobsuchende nutzen hauptsächlich Google und die firmeneigenen Webseiten für die Informationsbeschaffung.

Seit einigen Jahren werden Mitglieder sozialer Netzwerke wie Facebook und Studivz gewarnt, nicht zu viele Informationen über sich zu veröffentlichen. Diese Warnung ist generell richtig - ein sensibler Umgang mit persönlichen Daten kann nie schaden. Aber doch muss eine Aussage relativiert werden, zeigen die aktuellen Studien "Recruiting Trends 2010" sowie "Bewerbungspraxis 2010" des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main und des Online-Karriereportals Monster. Denn persönliche Daten landen nicht automatisch auch beim Personalchef der Firma, bei der man sich bewirbt. Das ist stets eine der größten Sorgen von Datenschützern.

Soziale Netzwerke fast ohne Bedeutung

Die Studien zeigen, dass drei von zehn Unternehmen regelmäßig auf das Karrierenetzwerk Xing zurückgreifen, um Informationen über potenzielle Kandidaten zu sammeln. Mittels Google recherchieren rund 22 Prozent der Personaler häufig, gefolgt vom amerikanischen Karrierenetzwerk Linkedin mit zwölf Prozent. Blogs und Online-Netzwerke wie StudiVZ oder Facebook werden jedoch nur von weniger als zehn Prozent der befragten Firmen bei der Informationssuche über Kandidaten regelmäßig genutzt. Die Befürchtung, dass Unternehmen alle Daten eines Bewerbers aus dem Internet filtern, stimmt also nur in seltenen Fällen.

Es scheint generell so, dass die Job- und Mitarbeitersuche von Arbeitgeber und -nehmerseite eher konservativ abläuft: Internet-Stellenbörsen, im Grunde nichts anderes als digitale Zeitungsanzeigen, sind bei Unternehmen das Mittel erster Wahl, um offene Stellen auszuschreiben.

Jobsuchende durchforsten zwar regelmäßig das Internet, um sich über Firmen und deren Image zu erkundigen. Mehr als die Hälfte greift dabei allerdings auf die konventionelle Suche per Google zurück, an zweiter Stelle liegt wiederum Xing. Fast ohne Bedeutung für Stellensuchende sind bisher - neben sozialen Netzwerken - Unternehmensbewertungs- plattformen wie kununu.com.

Recruiter müssen sich in sozialen Medien auskennen

Viele Unternehmen bieten inzwischen auch selbst aufbereitete Informationen wie Videos, Podcasts oder RSS-Feeds an. Doch auch hier ist das Interesse seitens der Jobsuchenden verhalten. Nur zwölf Prozent schauen beispielsweise häufiger Firmenvideos an, nur einer von zehn Jobsuchenden nutzt RSS-Feeds.

Trotz der noch verhaltenden Nutzung von Web-2.0-Anwendungen werden diese in Zukunft mehr und mehr eine Rolle spielen, glaubt Professor Tim Weitzel vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Universität Bamberg: "Bewerber können sich in sozialen Medien ein vollständiges Bild eines Arbeitgebers verschaffen und Unternehmen kostengünstig Ausschau nach neuen Kandidaten halten. In Zukunft muss sich der moderne Recruiter innerhalb dieser Social Media genauso zurechtfinden wie in den klassischen Rekrutierungskanälen." ZU

Externe Links:

Forschungsprojekte des Centre of Human Resources Information Systems


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