Europäischer Binnenmarkt: Nur jeder vierte Händler liefert ins Ausland
Europäer kaufen am liebsten im Inland - EU will Handelshemmnisse abbauen
Obwohl für viele Händler ganz Europa ein potentieller Markt ist, beschränken sich die meisten auf den Verkauf im Inland. Das ist nicht verwunderlich, denn 60 Prozent aller Auslandsbestellungen schlagen fehl. Das hindert auch Kunden am grenzüberschreitenden Einkauf: Lediglich knapp ein Drittel aller Kunden hat im vergangenen Jahr im europäischen Ausland eingekauft. Das will die EU nun ändern.
Wenn das deutsche Maschinenbauunternehmen Einzelteile und Rohstoffe im Ausland kauft, dann ist das nichts Ungewöhnliches. Wenn jedoch der deutsche Privatkunde den Rasenmäher nicht in Deutschland, sondern in Frankreich bestellt, dann ist das die Ausnahme. Das zeigt eine Untersuchung der EU-Kommission. Ihr zufolge haben im Jahr 2009 nur 29 Prozent aller Kunden in anderen Mitgliedsländern der Union eingekauft (2008: 25 Prozent).
Im Online-Handel klafft die Schere zwischen Inlands- und Auslandskäufen noch deutlicher auseinander: 34 Prozent der Kunden führen Internetbestellungen im eigenen Land durch, lediglich acht Prozent nutzen das Internet für grenzüberschreitende Käufe. Seit 2008 sind die Zahlen nur marginal gestiegen.
Handelshemmnisse abbauen, Regeln vereinfachen
Das schleppende Wachstum beim grenzüberschreitenden Handel ist wohl nicht allein auf eine Zurückhaltung der Konsumenten zurückzuführen. Auch die Verkäufer selbst forcieren das Geschäft im EU-Binnenhandel offenbar zu wenig. Angesichts der bestehenden Handelshindernisse weigern sich viele Händler, ins Ausland zu liefern, teilt die EU-Kommission mit. Nur ein Viertel der Einzelhändler hat 2009 ins Ausland geliefert. Ein Grund dafür dürfte sein, dass über 60 Prozent der Auslandsbestellungen aus den verschiedensten Gründen fehlschlagen. Das hat eine frühere Untersuchung der EU ergeben.
Die EU-Kommission hat sich nun das Ziel gesetzt, Auslandshandelshemmnisse abzubauen - etwa, indem unterschiedlicher Einzelregelungen zusammengefasst und andere Bestimmungen komplett abgeschafft werden. Auch soll in Zukunft Streit zwischen Händler und Kunden über Landesgrenzen hinweg einfacher beigelegt werden können.
Mehr Auswahl, niedrige Preise
"Der Binnenmarkt verspricht den europäischen Verbrauchern mehr Auswahl und niedrigere Preise. Diese Erwartungen werden aber oft enttäuscht, da für Händler und Kaufwillige die Landesgrenzen oft unüberwindliche Hürden darstellen. Wir sind entschlossen, diese Hindernisse abzubauen", sagt der für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständige Kommissar John Dalli. Wird dieses Versprechen eingelöst, dürfte der europäische Binnenmarkt auch für Händler interessanter werden, die an Privatkunden verkaufen.ZU
Externe Links:
Website des EU-Handelskommissariats (Englisch): http://ec.europa.eu/trade


