Brot statt Schnitzel: Angestellte sparen sich Kantinenbesuch
In der Krise müssen Kantinenbetreiber den Gürtel enger schnallen
Die Wirtschaftskrise schlägt vielen auf den Magen - buchstäblich. Denn immer mehr Arbeitnehmer verzichten aus Kostengründen auf ihr Mittagessen in der Personalkantine. Stattdessen hält das gute alte Butterbrot wieder zunehmend Einzug in viele Büros. Den Kantinenbetreibern macht dabei nicht nur die Sparsamkeit der Kunden zu schaffen, sondern auch die in vielen Unternehmen praktizierte Kurzarbeit.
Dass Verbraucher Restaurantbesuche aussparen und aus Kostengründen selbst auf subventionierte Essen im eigenen Betrieb verzichten, bestätigten kürzlich die Marktforscher der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK): Die wirtschaftliche Lage der Betriebskantinen entpuppt sich so als ein Indikator für die wirtschaftliche Situation der Mitarbeiter und des gesamten Unternehmens.
Umsatz unter Branchenschnitt
Die Zahlen belegen den Umsatzschwund. Laut dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schlägt die Krise bei den 14.000 Kantinen in Deutschland nicht nur bei den Mittagsgerichten, sondern auch bei den Snacks durch. Dem Bundesverband zufolge fielen die Umsätze der Pachtkantinen, die von externen Dienstleistern wie Eurest, Aramark oder Apetito geleitet werden, 2009 um real 6,2 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. In den Vorjahren hatten Mitarbeiterkantinen noch regelmäßig besser abgeschnitten als die Branche insgesamt. 2009 lag der Umsatz erstmals unter dem Branchendurchschnitt.
Eine ähnliche Entwicklung der Umsätze wird außerdem bei den Kantinen befürchtet, die von den Unternehmen selbst organisiert werden. Hier rechnet der Verband für 2009 ebenfalls mit rund fünf Milliarden Euro Umsatz. Die "Gemeinschaftsverpflegung" muss somit noch stärkere Rückgänge als das bereits schwächelnde klassische Gaststättengewerbe hinnehmen. Denn dort sanken die Erlöse im Vorjahresvergleich um 4,9 Prozent auf 33,7 Milliarden Euro.
Kurzarbeiter sind keine Kantinenesser
Ein gewichtiger Grund für die negative Entwicklung ist die hohe Zahl der Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Im Dezember haben nach Schätzung der Bundesanstalt für Arbeit (BA) rund eine Million Menschen konjunkturelles Kurzarbeitergeld bezogen. Für 130.000 bis 140.000 Beschäftigte sei es am Jahresende 2009 neu beantragt worden. Die BA rechnet für 2010 mit deutlich weniger Kurzarbeitern. Im Jahresdurchschnitt würden rund 600.000 Menschen in Kurzarbeit sein - gut 400.000 weniger als im Jahr 2009. Obwohl sich die Anzahl der kurzarbeitenden Firmen verringert, drohen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge 2010 wieder verstärkt Entlassungen.
Hoffen auf Anspringen des Konjunkturmotors
"Ob die gegenwärtige unsichere konjunkturelle Lage auch einen Einfluss auf die Investitionen der Kantinenbetreiber haben wird, lässt sich aktuell nur schwer abschätzen. Fakt ist aber, dass die Branche sehr stark abhängig vom Konjunkturmotor ist", sagt Dehoga-Sprecherin Stefanie Heckel. Vorsichtigen Schätzungen nach plant nur noch gut jeder zweite Kantinenchef größere Ausgaben. Zu stark muss eingespart werden, um die Kosten im Griff zu behalten. Der Jahresrückblick zeigt den Wandel. 2009 wollten noch 65 Prozent investieren. pte/MB
Externe Links:
Homepage des Dehoga: www.dehoga.de


