Twittern ist Chefsache

Unternehmen, die in sozialen Medien präsent sind, werden langfristig davon profitieren

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Alle Welt zwitschert, postet, blogt - Unternehmen sollten den medialen Anschluss nicht verpassen und selbst aktiv werden. (Foto: twitter/facebook/viermann)

Der Kommunikationschef des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, Matthias Lüfkens, will den Unternehmen die Angst vor Social Media nehmen. Der Social-Media-Profi nennt die Chancen, die Web-2.0-Plattformen eröffnen, erklärt, warum Kontrollverlust kein Thema ist und die Kommunikation via Twitter, Facebook und Co. Chefsache sein muss: "Das wichtigste an Social Media ist die Interaktivität und der Dialog mit den Nutzern."

Bestimmte Gruppen wie Journalisten, IT-Unternehmen und Firmen aus dem Internet-Umfeld sind längst aktiv in den sozialen Medien. Doch sucht man auf Twitter oder Facebook nach Unternehmen eher traditioneller Branchen, ist man weniger erfolgreich.

Der Medienchef des Weltwirtschaftsforums Matthias Lüfkens will Unternehmern die neuen Kommunikationsformen nahe bringen und mit unbegründeten Berührungsängsten aufräumen. "Heute professionell bei Twitter und Facebook aufzutreten, ist Standard. So etwas muss jeder Geschäftsführer, jeder Chef selbst machen und nicht an Medienabteilungen abgeben", sagt er.

Den Twitterkanal oder die Facebookseite zu betreuen, dauert nicht länger als eine halbe Stunde und soll jeden Morgen zum Pflichtprogramm gehören wie der Blick in die Zeitung. Dabei muss nicht jeden Tag getwittert werden, sondern eben dann, wenn es etwas Wichtiges zu sagen gibt, meint Lüfkens - "wichtig ist, dass es persönlich ist und vom Chef kommt."

Ohnehin kein Monopol auf Meinungsbildung

"Natürlich wird es auch künftig bestimmte Unternehmen geben, die sich sozialen Medien komplett verschließen, und man wird sie trotzdem kennen. Will ein Unternehmen jedoch progressiv sein, dann ist der Auftritt in Social-Media-Plattformen vergleichbar mit einem Eintrag in die Gelben Seiten. Wer dort nicht erscheint, existiert nicht", sagt Lüfkens. Zudem erschließe sich dadurch ein völlig neues Publikum. Diese Erfahrung hat Lüfkens auch beim Weltwirtschaftsforum gemacht: "Wir haben damals mit YouTube begonnen und haben heute durchschnittlich 80.000 Zugriffe auf Videos pro Monat. Durch die sozialen Medien hat sich dem WEF ein ganz neues Publikum erschlossen."

Alle Medienkanäle bedienen

Wenn ein Unternehmen etwas zu sagen hat, könne es versuchen, sein Anliegen bei einer PR-Agentur oder in Redaktionen zu deponieren. Der andere Weg sei, die Botschaft in sozialen Medien zu platzieren. Ist sie interessant genug, so werde sie am Ende ohnehin wieder von klassischen Medien aufgenommen und erhalte dann eine breitere Öffentlichkeit. "Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass traditionelle Medien ausgedient haben. Sie haben nur nicht mehr das Monopol auf die Meinungsbildung", meint Lüfkens. Ohne die traditionellen Medien werde man auch künftig nicht auskommen und auch ein twitterndes Unternehmen werde sie weiterhin brauchen.

"Man muss natürlich verstehen, dass man im Umfeld der sozialen Medien auch etwas Kontrolle verliert. Ich glaube allerdings, dass wir die Kontrolle auch vorher nicht hatten", zeigt sich Lüfkens gelassen. Die Betreuung der Plattformen bedarf zwar nicht zwingend bestimmter Kompetenzen, aber gewisse journalistische oder kommunikationswissenschaftliche Fähigkeiten seien wohl ratsam für denjenigen, der die Funktion in einem Unternehmen übernimmt.

Fehler zulassen

"Es gibt auch Unternehmen, die ihren Mitarbeitern verbieten, sich in Netzwerken wie Facebook öffentlich als Angestellter zu bekennen. Aber damit stellen sich die Firmen gegen den Geist der Zeit." Denn irgendwann werden die Menschen nicht mehr sagen, aus welchem Land sie kommen, sondern auf welcher Plattform sie zu Hause sind. "Ein Unternehmen, das die Entwicklung aktiv mitbegleitet, wird auch die Kontrolle behalten. Es geht um die Phrase 'leading the conversation' - wer selbst den Tenor bestimmt, wird unter dem Strich positiv dastehen", zeigt sich Lüfkens überzeugt. pte/ ZU

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